Berlin (dpa) - Der Bundestags-Innenausschuss ist am Montag in Berlin zusammengekommen, um über die Neonazi-Mordserie zu beraten. Die Abgeordneten wollen in der Sondersitzung Klarheit über den aktuellen Ermittlungsstand bekommen.

An der Sitzung nehmen Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Generalbundesanwalt Harald Range und die Präsidenten von Bundeskriminalamt und Bundesamt für Verfassungsschutz, Jörg Ziercke und Heinz Fromm, teil.

Mit besonderer Spannung wird der Auftritt von Thüringens Verfassungsschutzpräsident Thomas Sippel erwartet. Die Landesbehörde steht wegen Pannen bei ihrer Arbeit besonders in der Kritik.

Die Bundesanwaltschaft legt den drei aus Jena stammenden Rechtsextremisten Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zehn Morde zur Last. Opfer waren zwischen 2000 und 2007 acht türkischstämmige und ein griechischer Kleinunternehmer sowie eine Polizistin. Viele Fragen sind noch offen. So ist unklar, warum das Trio den Sicherheitsbehörden in all den Jahren nicht auffiel.

Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz befürchtet, dass die Neonazi-Gruppe weitere Straftaten begangen hat. «Wir stehen erst am Anfang der Ermittlungen. Da wird noch sehr viel Schmerzliches ans Tageslicht kommen», sagte er der «Passauer Neuen Presse» (Montag). Wiefelspütz glaubt, dass die Gruppe Helfer hatte. «Ohne breite Unterstützung von Mittätern und Mitwissern wären diese Taten nicht möglich gewesen.»

Verfassungsschützer in Thüringen gehen nach Informationen von «Spiegel» und «Focus» mittlerweile von etwa 20 Unterstützern aus, die dem aus Jena stammenden Trio im Untergrund halfen.

Der Vorsitzende der anti-rassistischen Initiative «Gesicht zeigen», Uwe-Karsten Heye, sieht eine Mitschuld der etablierten Politik an der Ausbreitung rechten Gedankenguts in Deutschland. Die konservativen Parteien hätten die Gefahr von rechts stets verniedlicht, sagte er der «Berliner Zeitung» (Montag). Es habe seit der deutschen Einheit 140 Todesopfer rechter Gewalt gegeben, doch jetzt erst spreche der Bundesinnenminister von Rechtsterrorismus.

Nach einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» (Montag) wollen sich die Spitzen aller Parteien und Fraktionen des Bundestages an diesem Dienstag treffen, um über ein gemeinsames Vorgehen im Kampf gegen den Rechtsextremismus zu beraten. Bei dem Treffen solle besprochen werden, ob in dieser Woche eine gemeinsame Entschließung im Bundestag zustande kommen könne.