Hamburg (dpa) - Die erste La-Ola-Welle, das erste Hupkonzert und der erste Autokorso - Hamburg feierte den ersten Heimsieg der Saison wie eine Meisterschaft. «Ich kann mich an die Atmosphäre gewöhnen», sagte der total erleichterte HSV-Trainer Thorsten Fink nach dem 2:0 (1:0) gegen 1899 Hoffenheim.

«Ich kann ja auch nicht jede Woche den gleichen Scheiß erzählen, warum wir jetzt endlich gewinnen,» ergänzte Fink. Platz 14 und der Anschluss ans gesicherte Bundesliga-Mittelfeld wurden von den sonst so anspruchsvollen Fans mit Gesängen gefeiert.

«Die haben Alarm gemacht für 100 000. Ich bin sehr froh. Die letzten vier, fünf Wochen ist alles besser geworden. Nun haben wir heute auch zu Hause die Saison angefangen», bilanzierte Sportdirektor Frank Arnesen, der sich immer mehr bestätigt sieht mit seiner Einschätzung von Fink und dessen Fußball-Philosophie.

Als der 43 Jahre alte Coach nach einer Viertelstunde in Schlips und Kragen einen Ball im Seitenaus mit der Brust stoppte und ihn galant zurück aufs Spielfeld kickte, war der Jubel im Volkspark groß und eines klar: Mit seiner eigenen Begeisterung hat er die lahmenden Profis angesteckt. Besonders die Torschützen Paolo Guerrero (25.) und Marcell Jansen (65.) wirken wie nach einer Frischzellenkur. «Paolo ist ein Südamerikaner, ein Spieler, der Spaß braucht. Und Marcell war mal Nationalspieler, er glaubt wieder an seine Chance», erklärte der Ex-Bayer die Wandlung der seit Monaten enttäuschenden Top-Verdiener.

«Thorsten ist einfach ein sehr guter Trainer, da ist es egal, ob wir mal zusammengespielt haben», erwiderte Guerrero, der in jungen Jahren in der zweiten Mannschaft des FC Bayern als Nachwuchshoffnung auf Fink traf: «Er war schon damals so etwas wie ein Trainer für mich». Und wenn der Peruaner nach Länderspielreisen sonst eher müde über den Rasen trabte, war er am Sonntag so lauf- und zweikampfstark wie selten. Da störte ihn auch die blutende Lippe nach einem Ellbogencheck von Sebastian Rudy nicht.

Nur Kapitän Heiko Westermann schlug warnende Töne im großen Jubel an: «Einige müssen begreifen, dass ein Spiel 90 Minuten dauert». So avancierte in der Schlussphase hinter einer sorglosen Abwehr Jaroslav Drobny zum Matchwinner, als er sich unter den Augen von Vorgänger Frank Rost jedem Hoffenheimer Schuss in den Weg warf.

«Es ist für einen Torwart immer schwierig, wenn er Fehler macht. Aber Jaroslav hat sich da selbst rausgezogen und ist auf dem Weg zum Publikumsliebling», lobte Fink. Von einem Wintereinkauf als Alternative zu dem Anfang der Saison schwächelnden Tschechen hält er nichts. Auch Marcus Berg wurde für seine fünf Torschussvorlagen gelobt und dennoch scheint klar, dass am Samstag bei Hannover 96 Mladen Petric neben Guerrero wieder stürmen wird. Nach seinem Muskelfaserriss mischte der Kroate munter mit beim Training der Reservisten.