Frankfurt/Main (dpa) - Den deutschen Banken droht Kreisen zufolge beim Blitz-Stresstest der europäischen Bankenaufsicht eine böse Überraschung.

Die Kapitallücke werde größer sein als erwartet, hieß es in Finanzkreisen. Marktgerüchten zufolge könnte vor allem die Commerzbank betroffen sein. Bislang hatte die europäischen Bankenaufsicht EBA bei den deutschen Banken einen zusätzlichen Kapitalbedarf von 5,2 Milliarden Euro ausgemacht, bei Europas Banken insgesamt 106 Milliarden Euro. Dafür waren aber noch mildere Kriterien angenommen worden.

Inzwischen verschärfte die EBA die Kriterien, wie es in den Kreisen heißt. So sollen schlechte Ergebnisse aus dem dritten Quartal einfließen. Zudem wolle die Behörde strengere Maßstäbe für Risikoanlagen anlegen. Auch die Verrechnung von Gewinnen und Verlusten bei Staatsanleihen soll nur noch eingeschränkt möglich sein.

Ein größerer Kapitalbedarf könnte dazu führen, dass Banken zu Kapitalerhöhungen oder gar neuerlichen Staatshilfen greifen müssen. An der Börse hieß es am Dienstag, die Kapitallücke der Commerzbank könnte sich auf rund fünf Milliarden Euro belaufen. Damit wachsen die Zweifel, ob das in der Finanzkrise teilverstaatlichte Institut die größere Lücke wirklich aus eigener Kraft schließen kann. Ein Sprecher der Commerzbank wollte die Nachrichten nicht kommentieren. Die Aktie brach zwischenzeitlich um mehr als zehn Prozent ein.

Nach bisherigen Berechnungen liegt der zusätzliche Kapitalbedarf der Commerzbank bei 2,9 Milliarden Euro. Commerzbank-Finanzchef Eric Strutz hatte aber bereits Anfang des Monats gesagt, dass sich das noch ändern könnte. Kapitallücken sahen die Aufseher bislang nur noch bei der Deutschen Bank, der LBBW und der NordLB.

Die Ergebnisse des Test wird die EBA den Kreisen zufolge zunächst den EU-Finanzministern vorstellen, die sich am 30. November wieder treffen. Die EBA in London teilte am Dienstag lediglich mit, sie wolle die Ergebnisse «im Laufe des November» veröffentlichen.

Den Blitz-Stresstest hatte die europäische Politik beim letzten Krisengipfel Ende Oktober vereinbart. Die EBA soll ermitteln, wie viel Geld die Institute brauchen, um auch bei diversen Krisenszenarien auf eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent zu kommen. Kernkapital gilt als Puffer für Krisenzeiten.