Frankfurt/Main (dpa) - Belastet von wieder anziehenden Renditen der hochverschuldeten Euro-Staaten haben die wichtigsten deutschen Aktienindizes am Dienstag ihren Erholungsversuch wieder abgebrochen.

Der Dax sackte bis zum Nachmittag mit 0,68 Prozent ins Minus auf 5568 Punkte. Zum Wochenstart hatte der Leitindex bereits 3,35 Prozent verloren und sein Minus der Vorwoche von 4,24 Prozent noch ausgeweitet. Der MDax gab 0,38 Prozent auf 8271 Punkte ab, der TecDax verlor 0,50 Prozent auf 644 Punkte.

Die Nervosität am Markt bleibt hoch. Aktien drehten nach anfänglichen Gewinnen ins Minus und folgten damit erneut dem Rentenmarkt, an dem die Renditen insbesondere der hochverschuldeten Staaten der Eurozone deutlich anzogen. Von der Bundesregierung war zuvor zu hören, dass sie «keine neue Bazooka in der Tasche» habe, um die Krise zu lösen. Zudem sollte die Europäische Zentralbank langfristig nicht die Rolle des Feuerwehrmanns in der Eurozone übernehmen, sagte CDU-Finanzexperte Michael Meister.

Aktien der Commerzbank brachen am Dax-Ende nach Spekulationen um einen höheren Kapitalbedarf um 8,71 Prozent auf 1,237 Euro ein - mit 1,218 Euro hatten sie im Verlauf ein Rekordtief neues Rekordtief markiert. Händler machten Medienberichte für den Einbruch verantwortlich. Darin wird spekuliert, dass die Commerzbank einen zusätzlichen Kapitalbedarf von rund 5 Milliarden Euro habe, was ein Blitz-Stresstest der europäischen Bankenaufsicht EBA gezeigt habe.

Allianz-Papiere rutschten laut Händlern wegen der steigenden Renditen der PIIGS-Anleihen ebenfalls ins Minus mit 0,63 Prozent auf 69,12 Euro. Zuvor hatten sie dank einer Kurszielerhöhung durch Morgan Stanley zugelegt - die Analysten trauten dem Papier des Versicherers rund 70 Prozent Kurspotenzial zu. Favorisiert wurden Chemiewerte, was Linde-Titel mit plus 1,58 Prozent an die Dax-Spitze hievte. Ein Lichtblick waren auch Südzucker-Aktien, die nach einer Prognoseanhebung um 6,26 Prozent auf 20,630 Euro in die Höhe schnellten. Der Zuckerproduzent erhöhte wegen der guten Geschäftsentwicklung im Herbst seine Ziele für das Geschäftsjahr.

Am deutschen Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,65 (Vortag: 1,61) Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,09 Prozent auf 130,73 Punkte. Der Bund Future stieg um 0,15 Prozent auf 137,35 Punkte. Der Euro verlor an Boden: Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,3535 (1,3458) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7388 (0,7431) Euro.