Washington (dpa) - Neue Blockade im Kampf gegen die Schuldenkrise in den USA: Nach monatelangen Verhandlungen ist eine überparteiliche Kommission im US-Kongress mit dem Versuch gescheitert, ein gemeinsames Konzept zum Abbau der Staatsschulden auszuarbeiten.

Präsident Barack Obama reagiert sichtlich verärgert - und hofft, dass es ausgerechnet im Wahljahr 2012 doch noch Fortschritte geben könnte.

Obama schob den Republikanern die Schuld am Scheitern zu. Durch ihr Nein zu höheren Steuern für Reiche hätten sie einen Kompromiss unmöglich gemacht. «Es gibt immer noch zu viele Republikaner im Kongress, die sich weigerten, auf die Stimme der Vernunft und des Kompromisses zu hören», sagte Obama am Montagabend (Ortszeit).

Aufgabe des Gremiums war es, sich auf Einsparungen von mindestens 1,2 Billionen Dollar (880 Milliarden Euro) für die kommenden zehn Jahre zu einigen. Nun treten von 2013 an automatische Einsparungen in Kraft - der Löwenanteil im Verteidigungs- und Sozialbereich.

Die US-Schulden belaufen sich derzeit auf knapp über 15 Billionen Dollar.

Zugleich machte Obama klar, dass er jeden Versuch im Kongress vereiteln werde, die Vereinbarung über automatischen Einsparungen zurückzunehmen. «Meine Botschaft ist schlicht: Nein.» Er werde solche Versuche mit einem Veto zu Fall bringen. «Wir müssen den Druck für einen Kompromiss aufrechterhalten. Fortschritte seien auch noch im nächsten Jahr möglich.

Dagegen fürchten Experten, dass es im Wahljahr 2012 eine noch größere politische Blockade geben wird. Es gilt als sicher, dass das Thema Schulden und höhere Steuern zum zentralen Wahlkampfthema werden wird. Vor allem Vertreter der populistischen «Tea-Party-Bewegung» in den Reihen der Republikaner hatten auf ein Nein zu jeglichen Steuererhöhungen gepocht.

«Nach Monaten harter Arbeit... sind wir heute zu dem Schluss gekommen, dass es nicht möglich ist, gemeinsame Vorschläge beider Parteien zu machen», teilte das Komitee am Montag mit.

Die automatischen Einsparungen, die von 2013 wirken sollen, sollen ebenfalls 1,2 Billionen in den nächsten zehn Jahren erfassen. 54,7 Milliarden Dollar sollen nach Berechnungen de «Washington Post» allein jedes Jahr vom Verteidigungsbudget abgezogen werden. Das Blatt meint, die Stärke des US-Heeres müsste dann verringert, Rüstungsprojekte gestoppt werden. Verteidigungsminister Leon Panetta hatte bereits gewarnt, die US-Armee würde zum «Papiertiger» werden. Vor allem den Republikanern sind Kürzungen bei den Streitkräften ein Dorn im Auge.