Leverkusen (dpa) - Maskenmann Michael Ballack will in seinem 100. Europacupspiel seinen schwächelnden Ex-Club FC Chelsea erschrecken.

Mit einem Sieg am Mittwoch gegen den Londoner Spitzenclub könnte Anführer Ballack mit Bayer Leverkusen vorzeitig ins Achtelfinale der Fußball-Champions League einziehen und zugleich Chelsea in höchste Gefahr stürzen. «Wir sollten nicht den Fehler machen, zu ängstlich zu agieren», forderte der 35 Jahre alte Ballack. Im Hinspiel in London hatte Bayer zwar 0:2 verloren, aber eine der besten Leistungen in einer bisher wechselvollen Saison gezeigt.

«So eine Leistung müssen wir annähernd bringen, was das Defensiv- und Kombinationsspiel angeht, um zu bestehen», forderte Robin Dutt. «Selbstverständlich können wir gewinnen», tönte der Bayer-Cheftrainer. Genährt wird sein Optimismus durch die zuletzt mageren Resultate des englischen Premier-League-Clubs. «Chelsea ist unter Druck geraten, hat drei der letzten fünf Liga-Spiele verloren», sagte Dutt. Auch die Remis gegen Valencia und Genk hätten am Image gekratzt: «Die Engländer galten als haushoher Favoriten. Das ist nun auch infrage gestellt.»

Der ehemalige Chelsea-Profi Ballack warnte aber auch vor seinen Ex-Kollegen. Denn mit einem Erfolg würde die Werkself definitiv in der «Königsklasse» überwintern, Chelsea aber in Gefahr geraten rauszufliegen. «Sie wissen natürlich um die Brisanz des Spiele», sagte Ballack, der am Dienstag teilweise ohne schützende Maske trainierte: «Es zeichnet große Mannschaften aus, dass sie unter Druck immer ihre Topleistungen abrufen können. Das macht Chelsea noch gefährlicher.»

Bei einer Niederlage oder einem Unentschieden würde für Bayer die letzte Gruppenpartie am 6. Dezember in Genk zum Endspiel. «Irgendwelche Rechnereien machen keine Sinn, wir konzentrieren uns nur darauf, das Spiel zu gewinnen», sagte Dutt. Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser beschäftigte sich aber auch mit diesem Fall: «Ein Punkt wäre gut, bei einer Niederlage wird es schwer.» Auf jeden Fall geht auch der Vereinschef davon aus, dass Ballack und Co. dem Starensemble um Frank Lampard, Fernando Torres und Didier Drogba «die Stirn bieten» kann.

Angesichts zahlreicher Verletzter hat Bayer-Coach Dutt vor dem Champions-League-Hit personell keine große Auswahl. Allerdings kann er wieder auf Nationalspieler André Schürrle zurückgreifen, der zuletzt wegen einer Grippe fehlte. Offen ist, ob er den zuletzt nicht konstanten Kapitän Simon Rolfes auf der «Sechs» aufbietet oder wie beim 2:0 in Kaiserslautern Stefan Reinartz in die Startelf stellt.

«Wir können alles klar machen, wissen aber auch, was auf uns zukommt», sagte Innenverteidiger Manuel Friedrich: «Doch wir werden alles in die Waagschale werfen.» Auch Teamkollege Sidney Sam ist zuversichtlich, dass eine Überraschung gelingen kann: «In Chelsea haben wir gut gespielt, da ist vor eigenem Publikum etwas drin.»

Bei einem Sieg ist Bayer durch. Denn Chelsea und der FC Valencia, die am letzten Spieltag der Gruppe E gegeneinander spielen, könnten dann beide höchstens noch zu Leverkusen aufschließen. Bei Punktgleichheit zählt die höhere Punktzahl aus den direkten Vergleichen der betreffenden Mannschaften. Und da läge Bayer dann mit sechs Zählern vorne.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Bayer Leverkusen: Leno - Castro, Friedrich, Toprak, Kadlec - Bender, Reinartz (Rolfes) - Sam, Ballack, Schürrle - Kießling

FC Chelsea: Czech - Ivanovic, Alex, Terry, Ashley Cole - Mikel - Sturridge, Ramires, Lampard, Mata - Torres (Drogba)

Schiedsrichter: Viktor Kassai (Ungarn)