Amsterdam (dpa) - Bei Ajax Amsterdam tobt ein Machtkampf, wie ihn der niederländische Rekordmeister noch nie erlebt hat. Im Mittelpunkt des Streits um Kompetenzen und Eitelkeiten steht Hollands Fußball-Legende Johan Cruyff.

Rassismusvorwürfe, Morddrohungen und Intrigen wohin man schaut: Ajax Amsterdam droht, im Chaos zu versinken. Während der niederländische Fußball-Rekordmeister in der Champions League bei Olympique Lyon um das Weiterkommen kämpfte, tobte daheim weiter ein Machtkampf, der den Traditionsclub in seinen Grundfesten erschüttert. Im Mittelpunkt: Hollands Fußball-Ikone Johan Cruyff und der frühere Bayern-Coach Louis van Gaal.

Cruyff setzte sich in seiner wöchentlichen Kolumne in der Tageszeitung «De Telegraaf» gegen die gegen ihn erhobenen Rassismusvorwürfe zur Wehr. «Da bin ich fast 65 und schon auf der ganzen Welt gewesen, und jetzt muss ich mich auch noch zu so etwas äußern», schrieb der 64-Jährige.

Ajax-Aufsichtsratschef Steven ten Have hatte der legendären Nummer 14 im öffentlich-rechtlichen Fernsehen vorgeworfen, den ehemaligen Top-Fußballer Edgar Davids, ebenfalls Mitglied des Aufsichtsrates, rassistisch beleidigt zu haben. Ten Have bezog sich auf eine Äußerung Cruyffs, die allerdings bereits im Juli während einer Sitzung des Gremiums gefallen ist. Damals hatte Cruyff zu Davids gesagt: «Du sitzt hier nur, weil du schwarz bist.»

Vor vier Monaten hatte ten Have selbst die Äußerung intern noch als «ungeschickt, aber nicht dramatisch» bezeichnet. Im nun laufenden Schmierentheater der niederländischen Hauptstadt brachte der Jurist die Aussagen jedoch an die Öffentlichkeit. Um die Unruhe rund um den Club perfekt zu machen, sendete der Fernsehsender NOS auch noch ein stark bearbeitetes Interview mit Davids, in dem der Eindruck erweckt wurde, Davids beschuldige Cruyff ebenfalls.

Cruyff erfuhr erst aus den Medien von den Vorwürfen und ist noch immer außer sich. «Wieder hinter meinem Rücken», betitelte der Vize-Weltmeister von 1974 seine aktuelle Kolumne und kritisierte damit ten Have heftig. Schon bei der Verpflichtung von van Gaal als Technischer Direktor, die der Auslöser für die Chaostage bei Ajax ist, hatten ten Have und drei weitere Aufsichtsratsmitglieder Cruyff übergangen. «Mit diesen Menschen will ich darum nichts mehr zu tun haben», schloss Cruyff seine Ausführungen in «De Telegraaf».

Die Causa Davids stellte Cruyff ganz anders dar. Um die zahlreichen ausländischen Kinder in der Ajax-Fußballschule besser erreichen zu können, habe sich der Verein damals entschieden, einen ehemaligen Fußballer mit Migrationshintergrund einzubinden. In einer heftigen Diskussion im Aufsichtsrat habe Cruyff Davids im Juli darauf hingewiesen, dass er nur deshalb im Gremium sitze. Rassistisch sei dies aber in keinster Weise gemeint gewesen. «Ich habe mit meiner Stiftung rund 120 Fußballfelder geschaffen, auf denen auch ausländische Kinder spielen. Eigentlich brauche ich auf so etwas gar nicht zu reagieren», sagte Cruyff verbittert.

Davids ruderte inzwischen zurück. «Ich habe nie gesagt, und das will ich ausdrücklich betonen, dass Johan Cruyff ein Rassist ist, trotz dieser unglücklichen Aussagen von ihm», schrieb Davids in seinem Blog. Doch die Stimmung bei Ajax ist vergiftet. Ten Have und das Aufsichtsratsmitglied Marjan Olfers erhielten Morddrohungen, der Club ist komplett in Cruyff-Anhänger und -Gegner gespalten. Und was sagt van Gaal? Der macht Urlaub in Asien und äußerte sich bislang nicht.

Blog Edgar Davids, niederländisch