London (dpa) - Borussia Dortmund plant den nächsten Gipfelsturm. «Wir haben den ersten Achttausender bezwungen. Jetzt haben wir den nächsten vor uns», sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke vor der Partie beim FC Arsenal am Mittwoch.

Dank des 1:0 beim FC Bayern schöpft der wiedererstarkte deutsche Meister neuen Mut für das «Endspiel» um den Verbleib in der Champions League. Inspiriert vom Sieg beim Bundesliga-Tabellenführer gab sich auch Sportdirektor Michael Zorc kämpferisch: «Wir brauchen noch keinen Abgesang anzustimmen, die Chancen sind nach wie vor da.»

Wohl nur ein Sieg kann dem in der Königsklasse bisher wenig überzeugenden deutschen Meister das Aus ersparen. Alle anderen Möglichkeiten für den letzten Spieltag sind rein theoretischer Natur. Derzeit führt in der Gruppe F der FC Arsenal (8 Punkte) die Tabelle vor Olympique Marseille (7), Borussia Dortmund (4) und Olympiakos Piräus (3) an. Anders als bei den Lehrstunden in Marseille (0:3) und Athen (1:3) stellte die Borussia zumindest auf nationalem Terrain in München gewachsene Reife unter Beweis. «Das gibt Selbstvertrauen, dass man bei einem absoluten Spitzenclub auswärts gewinnen kann. Das brauchen wir auch in London», kommentierte Zorc.

Besonders Mario Götze stand schon nach der Ankunft in London wieder im Mittelpunkt des Interesses. Arsenal-Coach Arsene Wenger hatte schon mehrfach Interesse an einer Verpflichtung des Dortmunder Jungstars bekundet, der mit seinem Treffer am Samstag beim FC Bayern für neue Spannung im Meisterkampf gesorgt hat. In den Zeitungen auf der Insel wird weiter kräftig spekuliert. Die «Daily Mail» will von einem neuen Arsenal-Abgebot von 35 Millionen Euro wissen, um Götze schon in der Winterpause nach London zu holen. «Das Thema ist ausgelutscht und geht mir auf den Sender», hatte Watzke schon zuvor zu den vielen Mutmaßungen gesagt.

Das Lampenfieber des erst 19 Jahre alten Nationalspielers hält sich trotz des grellen Rampenlichts in Grenzen: «Diese Spiele machen uns Spaß. Wir wollen auch in London zeigen, was wir können.» Der Plan der Dortmunder ist sehr ambitioniert. Inklusive des Sieges in den Playoffs gegen Udinese Calcio sind die «Gunners» vor heimischen Publikum in der europäischen Königsklasse seit zwölf Spielen ungeschlagen. Zudem verbuchte das Team um den deutschen Nationalspieler Per Mertesacker nach mäßigem Saisonstart in den vergangenen zwölf Pflichtspielen zehn Siege.

Viel wird für den BVB davon abhängen, wie es gelingt, Angreifer Robin van Persie zu stoppen. Der Niederländer war bereits beim 1:1 im Hinspiel erfolgreich und traf für seinen Club im Jahr 2011 in 29 Spielen beachtliche 31 Mal das Tor.

Angesichts der kniffligen Aufgabe rückt selbst das traditionell brisante Spiel gegen den Erzrivalen FC Schalke am kommenden Wochenende vorerst in den Hintergrund. Geschäftsführer Watzke erklärte es zum Tabuthema: «Wir müssen jetzt nach London, alles andere zählt nicht. Ich will nichts vom Derby hören.»

Die Taktik, mehr auf Ergebnis- als auf Erlebnisfußball zu setzen, soll auch im «Emirates-Stadium» zu einem Big-Point verhelfen. «Wenn wir das so hinkriegen wie in München, haben wir alle Chancen», sagte Außenverteidiger Marcel Schmelzer. Eine vor allem auf Torsicherung bedachte Gangart hatte sich nicht nur beim FC Bayern, sondern auch im vorigen Champions-League-Spiel gegen Piräus (1:0) ausgezahlt und der Borussia weitere Schlagzeilen über eine naive Taktik erspart.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

FC Arsenal: Szczesny - Koscielny, Mertesacker, Vermaelen, Andre Santos - Song - Walcott, Ramsey, Arteta, Gervinho - van Persie

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Santana, Hummels, Schmelzer - Bender, Kehl - Götze, Kagawa, Großkreutz - Lewandowski

Schiedsrichter: Franck de Bleeckere (BEL)