Kairo (dpa) - In Ägypten ist die Zahl der Toten bei den Krawallen um den Kairoer Tahrir-Platz nach Angaben von Medizinern und Juristen auf mindestens 35 gestiegen. Behörden meldeten hingegen, dass bei den Protesten seit Samstag 28 Personen in der Hauptstadt getötet wurden.

In Ägypten gibt es bereits seit Freitag Demonstrationen gegen den regierenden Militärrat, seit Samstag mit heftigen Ausschreitungen. Auch in Alexandria und Ismailia kamen Menschen ums Leben.

Im Zentrum der Hauptstadt Kairo wurden nach Angaben von Medizinern viele Menschen von Gummigeschossen im Gesicht getroffen. Die Ärzte haben eine provisorische Klinik in der Nähe des Tahrir-Platzes eingerichtet, um Demonstranten dort zu behandeln. Auch der Tränengas-Einsatz der Polizei hat laut Aktivisten zu Verletzungen geführt.

Rund 38 Oppositionsgruppen haben für den Nachmittag zum Massenprotest aufgerufen. Zahlreiche Demonstranten waren aber schon am Morgen auf dem Tahrir-Platz, sie hatten dort übernachtet. Die Aktivisten wollen mit der Besetzung des riesigen Rondells in der Innenstadt den regierenden Militärrat zwingen, die Verantwortung jetzt an eine zivile Regierung zu übergeben. Sie fürchten, dass die Generäle dauerhaft an ihrer Macht festhalten wollen.

Die einflussreiche Muslimbruderschaft hat angekündigt, nicht an der Kundgebung teilzunehmen. Die Islamisten rechnen sich bei den am Montag beginnenden Parlamentswahlen gute Chancen aus. Doch wegen der Proteste wird immer wieder über eine Verschiebung des Urnengangs spekuliert. Gewählt wird in drei Phasen, daher zieht sich der Prozess bis zum Januar hin. Anschließend soll das Land eine neue Verfassung bekommen.

Die Übergangsregierung von Ministerpräsident Essam Scharaf hatte am Montagabend angesichts der Proteste ihren Rücktritt eingereicht. Der Militärrat unter Feldmarschall Muhammed Hussein Tantawi muss dies aber noch akzeptieren. Am späten Montagabend riefen die Generäle die politischen Parteien auf, gemeinsam über den Umgang mit der Krise zu beraten. Die Muslimbruderschaft sagte ihre Teilnahme an den Gesprächen inzwischen zu.

Bei den dreitägigen Protesten in Ägypten sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums 24 Menschen getötet und deutlich mehr als Tausend verletzt worden. Aktivisten sprechen von mindestens 33 Toten. Auch in der Hafenstadt Alexandria gingen Tausende Menschen in den vergangenen Tagen auf die Straße. Der Militärrat hat nach dem Sturz des langjährigen Präsidenten Husni Mubarak im Februar die Macht übernommen. Der Tahrir-Platz war damals zum Symbol des Arabischen Frühlings geworden.

Amnesty International Deutschland