Mailand (dpa) - Hackentrick, Außenrist, Tor: Allein der Treffer von Kevin-Prince Boateng hat das Champions-League-Spiel AC Mailand gegen FC Barcelona (2:3) zu einem unvergesslichen Fußball-Spektakel gemacht.

Der frühere Bundesliga-Profi hatte den Ball in vollem Lauf mit der Hacke an Barça-Verteidiger Eric Abidal vorbeigeschoben und mit dem Außenrist zum 2:2-Ausgleichstreffer für die Mailänder ins Tor der Katalanen gehämmert.

«Ein Tor für die Ewigkeit», befand das spanische Sportblatt «As» anerkennend. Aber es sollte für Milan nicht reichen. Fünf Minuten später erzielte Barça-Regisseur Xavi nach Vorlage von Lionel Messi den 3:2-Siegtreffer für den Titelverteidiger. Die Traurigkeit der Milan-Fans über die Niederlage am Mittwochabend hielt sich jedoch in Grenzen: Das Publikum im Giuseppe-Meazza-Stadion hatte ein Fußballfest miterlebt, das es so schnell nicht vergessen wird.

«Das war das beste Spiel des Jahres», schwärmte «La Gazzetta dello Sport». «Was für eine Show!» Das Konkurrenzblatt «Corriere dello Sport» ergänzte: «Zu viel Barça für Milan, aber die Rossoneri verlieren erhobenen Hauptes.»

Für beide Spitzenclubs war es «nur» um den Spitzenplatz in der Gruppe H gegangen, aber sie traten an, als stünde bereits der Titel auf dem Spiel. Die Katalanen hatten eine ganz besondere Motivation: Sie wollten unbedingt für ihren Co-Trainer Tito Vilanova gewinnen, dem kurz vor dem Spiel in einem Krankenhaus ein Tumor an der Ohrspeicheldrüse entfernt worden war.

Barça-Coach Josep Guardiola überraschte damit, dass er mit nur drei Abwehrspielern antrat. Das Risiko zahlte sich aus. Der Titelverteidiger dominierte im Mittelfeld und ging nach 14 Minuten durch ein Eigentor des Ex-Bayern-Profis Mark van Bommel in Führung. Zlatan Ibrahimovic (20.), der bei Barça mit Guardiola nicht zurechtgekommen war, glich für die Hausherren aus, wollte aber nichts von Revanchegelüsten wissen: «Ich habe das Tor für Milan erzielt, nicht gegen Guardiola», betonte der Schwede.

Messi (31.) brachte die Katalanen durch einen umstrittenen Foulelfmeter erneut in Führung. Die Italiener hielten die Entscheidung von Bundesliga-Schiedsrichter Wolfgang Stark für zu hart. «Für mich war das kein Elfmeter», sagte Boateng. Dagegen meinten die Spanier, Stark hätte den Italiener Alberto Aquilani wegen einer Notbremse obendrein vom Platz stellen müssen. Boatengs (58.) Zaubertor machte Milan neue Hoffnung, aber Xavi (63.) stellte wenig später den Barça-Sieg sicher. Mailands Clubchef Silvio Berlusconi räumte ein: «Das Ergebnis war gerecht.»