Berlin (dpa) - Nach der Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) haben einzelne Unions-Politiker ein politisches Comeback des Ex-Verteidigungsministers gefordert.

«Jeder hat eine zweite Chance verdient. Er ist immer noch ein Ausnahmetalent der Union», sagte CDU-Präsidiumsmitglied Philipp Mißfelder der «Hamburger Morgenpost» (Freitag). Ähnlich äußerten sich die CSU-Bundestagsabgeordneten Florian Hahn und Hans-Peter Uhl. Allerdings löste Kritik Guttenbergs an der CSU auch Verwunderung aus.

Die Staatsanwaltschaft Hof hatte das Ermittlungsverfahren gegen den Oberfranken wegen Urheberrechtsverstößen in seiner Doktorarbeit am Mittwoch gegen eine Spende von 20 000 Euro an die Kinderkrebshilfe eingestellt. In einem am Donnerstag veröffentlichten «Zeit»-Interview schloss Guttenberg ein politisches Comeback noch vor der Bundestagswahl 2013 nicht aus. Gleichzeitig sprach er der CSU den Anspruch ab, eine Volkspartei zu sein, und ließ Sympathien für die Gründung einer neuen Partei erkennen. «Ich glaube, ... dass eine solche Gruppierung am ehesten in der Mitte Erfolg haben könnte, nicht an den Rändern des politischen Spektrums.»

Unmittelbar nach seinem Rücktritt als Verteidigungsminister wegen zahlreicher ungekennzeichneter Zitate in seiner Doktorarbeit hatte Guttenberg noch erklärt: «Oberfranken werde ich aber nicht im Stich lassen. Ebenso wenig meine politische Heimat, die CSU.» In dem «Zeit»-Interview sprach der mit seiner Familie in die USA gezogene 39-Jährige nun ausdrücklich davon, dass er «zurzeit» Mitglied der CSU sei.

Der ehemalige CSU-Chef Erwin Huber kritisierte die Äußerungen Guttenbergs auf N24. Er habe «wenig Verständnis dafür, wenn er mehr oder weniger als Entree für die Rückkehr in die Politik in Deutschland zunächst einmal die handelnden Personen mit Kritik überzieht». Wer Solidarität brauche, sollte sich zunächst einmal mit konstruktiver Mitarbeit hervortun. «Und die würde ich auch meinem Freund Karl-Theodor sehr empfehlen.»

CSU-Chef Horst Seehofer hatte am Mittwoch in einer Sitzung der bayerischen Landtagsfraktion deutlich gemacht, dass er eine rasche Rückkehr Guttenbergs nicht für nötig halte. Die Partei sei derzeit gut aufgestellt und nicht auf den Ex-Verteidigungsminister angewiesen. Seehofer betonte in der Sitzung allerdings auch, dass Guttenberg der Weg zurück jederzeit offen stehe, wenn er sich dafür entscheide.

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Florian Hahn sagte dagegen in der «Hamburger Morgenpost», die Partei brauche Guttenberg. «Karl-Theodor zu Guttenberg bleibt ein herausragender Politiker.»

Am kommenden Dienstag erscheint das «Zeit»-Interview in voller Länge auf 208 Seiten in Buchform. Ob Guttenberg zur Vorstellung des 208 Seiten starken Werks mit dem Titel «Vorerst gescheitert» nach Deutschland kommt, steht noch nicht fest.

Der Aachener Karnevalsverein (AKV) geht nach wie vor davon aus, dass Guttenberg am 28. Januar zur Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst nach Deutschland kommt, und die Laudatio auf den Schauspieler Ottfried Fischer («Der Bulle von Tölz») halten wird. AKV-Präsident Werner Pfeil sagte der dpa, im Sommer habe es ein Gespräch zwischen dem Vereinsvorstand und Guttenberg gegeben, und darin habe er sein Kommen in Aussicht gestellt.