Lausanne (dpa) - Er trug einen dunklen Anzug, seine Augen waren gerötet: Die vielleicht vier schwersten Tage in der Karriere von Radprofi Alberto Contador endeten am 24. November vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS mit den Plädoyers.

Der unter Dopingverdacht stehende dreifache Tour-de-France-Sieger hatte in Lausanne das Schlusswort. In einer 15-minütigen Rede bat der Spanier um einen Freispruch, ehe er sichtlich mitgenommen das Chateau Béthusy verließ. Der Weltverband UCI und die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA forderten laut CAS-Generalsekretär Matthieu Reeb zwei Jahre Sperre.

Mit der Bekanntgabe des Urteils ist nach Mitteilung des CAS nicht mehr in diesem Jahr zu rechnen. Die unendliche Doping-Story, die am 21. Juli 2010 bei der Tour de France mit dem positiven Test auf das Kälbermastmittel Clenbuterol begonnen hatte, wird also fortgesetzt. Zwischen möglichem Vergehen und Urteil könnten mehr als 18 Monate liegen.

Details der Schlusserklärungen der Parteien drangen nicht an die Öffentlichkeit. Auf eine Pressekonferenz nach Ende des Verhandlungs-Marathons war nach Mitteilung der Kammer ausdrücklich verzichtet worden. «Wir sind zufrieden, können aber auch nicht mehr dazu sagen», ließ sich zumindest ein Verteidiger Contadors entlocken. Alle Parteien hatten sich zum Schweigen verpflichtet. Kurz vor 13.00 Uhr verließ Contador den CAS-Sitz und stieg mit seinem Bruder und Manager Fran wortlos in ein Taxi.

Bei einer Verurteilung würde Contador, der an allen vier Verhandlungstagen anwesend war, der Tour-Sieg 2010 und der Erfolg beim Giro d'Italia 2011 aberkannt werden. Ein dreiköpfiges Richter-Gremium unter dem Vorsitz des Israeli Efraim Barak fällt das Urteil, wahrscheinlich im Januar 2012. «Es sind viele Unterlagen zu analysieren», sagte Reeb, «ein schnelleres Urteil ist nicht möglich.»

Medienberichten zufolge hatte der Madrilene am vorletzten Verhandlungstag in einer knapp einstündigen Aussage versucht, seine Unschuld darzulegen. Zuvor hatte der 28-Jährige mehrmals öffentlich betont, dass verunreinigtes Fleisch für den positiven Befund gesorgt hätte. Doping hatte er stets geleugnet. Als Zeugen waren auch seine früheren Astana-Teamkollegen Paolo Tiralongo (Italien) und Benjamin Noval (Spanien) gehört worden.

Die Anhörung, die aus technischen Gründen meistens am benachbarten Sitz des Internationalen Olympischen Komitees IOC stattfand, hatte zum Teil skurrile Blüten getrieben. Das mehrköpfige Verteidiger-Team des Spaniers hatte etwa einen Lügendetektor-Spezialisten aus den USA und einen Privatdetektiv aufgeboten. Die Anklage rief Vertreter der spanischen Viehzüchter und den baskischen Fleischer in den Zeugenstand, bei dem ein Betreuer des Radprofis im Juli 2010 das ominöse Stück Kalbfleisch gekauft hatte.

Auch der Kölner Doping-Fachmann Wilhelm Schänzer sagte aus. In dessen Labor waren die verschwindend geringen Clenbuterol-Spuren und Rückstände von Plasticizern in Contadors Körper entdeckt worden. Die WADA, die neben der UCI beim CAS gegen den Freispruch des Spanischen Verbandes für Contador vom Februar 2011 vorgegangen war, hat nach wie vor keine Untergrenze für Clenbuterol festgelegt.