Berlin (dpa) - Die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe hat sich laut einem Medienbericht nach derzeitigem Ermittlungsstand nicht direkt an den Morden ihrer beiden Komplizen beteiligt.

«Nein, die Erkenntnisse haben wir bisher nicht, deutlich nicht», zitiert die «Süddeutsche Zeitung» (Onlineausgabe) eine interne Äußerung des Bundeskriminalamt-Präsidenten Jörg Ziercke dazu.

Zschäpe sitzt in Untersuchungshaft und wird beschuldigt, gemeinsam mit Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos die rechtsextremistische Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) gebildet zu haben, die von Zwickau aus operierte. Den beiden Männern, die sich nach derzeitigem Stand vor einer Festnahme selbst töteten, werden Morde an neun Kleinunternehmern türkischer und griechischer Herkunft sowie an einer Polizisten angelastet.

Sie sollen mit einer Maschinenpistole auf die Polizisten gefeuert haben, die sie nach einem Bankraub schließlich stellten. Dies berichtete der Chef der damaligen Sonderkommission der Thüringer Polizei, Michael Menzel, der «Thüringer Allgemeinen» (Samstag). Die Waffe habe dann aber geklemmt. Auf ihre Spur seien die Jäger der Bankräuber nach deren vorletztem Überfall im September in Arnstadt gekommen, als klar geworden sei, dass sie sich immer in der Nähe versteckten. Deshalb sei dann nach einem Wohnmobil gesucht worden.

Zschäpe stellte sich selbst. Bei der Zwickauer Polizei sagte sie laut «Süddeutscher Zeitung» dann aus, die beiden Terroristen seien für sie «ihre Familie» gewesen. Demnach soll die 36-Jährige nach dem Anzünden des letzten Verstecks des Trios ebenfalls einen Selbstmord erwogen haben. Sie habe mehrmals Wohnungen in Ostdeutschland für das Trio angemietet, berichtete die Zeitung weiter. Dabei habe sie Dokumente mit mindestens sechs Deck- und Aliasnamen verwendet, die ihr zumindest zum Teil von Unterstützerinnen zur Verfügung gestellt worden seien.

Wegen der Taten diskutiert die Politik wieder die Chancen eines NPD-Verbots. Der Ex-Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts, Winfried Hassemer, räumt einem neuen Verbotsantrag durchaus Chancen ein. Sollten die mutmaßlichen Zwickauer Rechtsterroristen netzwerkartig mit der NPD verbunden gewesen seien, sei das ein Ansatz, sagte er der «Frankfurter Rundschau» (Samstag). Auf die Frage, ob die strengen Karlsruher Anforderungen für ein Parteiverbot dann gesenkt werden könnten, antwortete er: «Ja, darüber muss man nachdenken.» Hassemer hatte den Zweiten Senat geleitet, der 2003 das erste NPD-Verbotsverfahren wegen der zahlreichen V-Leute des Verfassungsschutzes in der Partei eingestellt hatte.

Bericht der «Süddeutschen»