München (dpa) - Im 75. Jahr seines Bestehens öffnet das Haus der Kunst in München sein historisches Archiv für die Öffentlichkeit. «Das Archiv des Hauses der Kunst erzählt eine ganz spezielle Geschichte», sagte der neue Leiter Okwui Enwezor im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Bislang habe sich die Erforschung der Museumsgeschichte vor allem auf die Zeit des NS-Regimes und die Großen Deutschen Kunstausstellungen konzentriert. Das stehe zwar noch immer im Mittelpunkt, aber «die Geschichte des Hauses der Kunst hört ja 1945 nicht auf. Es ist wichtig, das zu betonen».

Vom 10. Juni 2012 an soll die Ausstellung mit dem Titel «75/20», die auch Exponate aus der Großen Deutschen Kunstausstellung der Nationalsozialisten von 1937 enthalten soll, im Haus der Kunst gezeigt werden. Anfang 2013 soll eine Dauerausstellung eingerichtet werden. Bereits in diesem Herbst war eine Forschungsplattform zur Aufarbeitung der NS-Kunstausstellungen freigeschaltet worden.

«Ich bin ebenso wie mein Vorgänger Chris Dercon der Überzeugung, dass wir dieses Material nicht nur unbedingt zeigen müssen», sagte Enwezor. «Wir müssen es in einen Zusammenhang stellen, wir müssen uns bemühen, es zu de-fetischisieren, wir müssen uns bemühen, es zu entmystifizieren.»

Das Haus der Kunst war im Jahr 1937 von Adolf Hitler unter dem Namen «Haus der deutschen Kunst» eröffnet worden. Es wurde zu einem Instrument und Symbol für die Vereinheitlichung in der Kulturpolitik des Nationalsozialismus. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt das Museum seinen heutigen Namen, im Jahr 1992 wurde es in eine Stiftung überführt. Der 20. Jahrestag ist der zweite Teil des Jubiläums im kommenden Jahr.