Jena (dpa) - Panikrocker Udo Lindenberg hat gerufen und alle sind gekommen: Peter Maffay, Popstar Clueso, die Ostrockband Silly. Wochenlang war Jena als Heimat des mordenden Nazi-Trios in den Schlagzeilen. «Wir werden den braunen Spuk, den braunen Terror beenden», nuschelte der 65-Jährige am Freitag.

50 000 Fans feierten am Abend mit ihm ein Rockfestival für eine «Bunte Republik Deutschland» im Jenaer Paradiespark - Studenten und Familien mit Kindern ebenso wie Politiker und Initiativen gegen Rechts.

Die Idee zu dem Konzert hatte vor zwei Wochen SPD-Chef Gabriel, einst «Pop-Beauftragter» seiner Partei: «Mein Freund Sigmar Gabriel und ich haben telefoniert», erzählte Lindenberg. Sie holten den Fraktionschef der Grünen im Bundestag, Jürgen Trittin, Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter (SPD) und Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) ins Boot. «Dolles Ding», kommentierte Lindenberg, «dass alles in Rekordzeit auf die Beine gestellt wurde».

Das Konzert war die Reaktion auf die Mordserie an Migranten und einer aus dem thüringischen Oberweißbach stammenden Polizistin. Man müsse ein Zeichen setzen, dass die Nazis nicht die Mitte der Gesellschaft übernehmen könnten, betonte Lindenberg. Und sein Duzfreund Gabriel ergänzte: «Dieser rechte Terror geht nicht gegen Ausländer oder Türken, sondern gegen die gesamte deutsche Gesellschaft.»

Schon vor 35 Jahren hatte Lindenberg den Song «Rock'n'Roll-Arena in Jena» geschrieben - womit er damals die Ost-Funktionäre aufrief, ihm «in der DDR 'ne Panik-Tournee» zu erlauben. In Jena hatte er bisher das Lied noch nie live vorgetragen. Zum Konzert am Freitag wartete er nun sogar mit neuem Text auf: «Ihr seid doch damals von Leipzig bis Jena gezogen, um dieses Land zu befrein und nicht um euch neue Kriminelle da reinzuholen, die jetzt die alten braunen Parolen schrein.»

Lindenberg, der sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus engagiert, hat schon einmal Thüringen im Kampf gegen Rechts unterstützt. 1998 half er im traditionsreichen Weimarer Hotel «Elephant», die einstige Hitler-Suite umzugestalten. Mit Aquarellen und Lithografien aus seiner Hand und einer Schalmei, die er 1987 von Erich Honecker geschenkt bekommen hatte. In den Räumen hatte Adolf Hitler bei seinen Aufenthalten in Weimar logiert. Nachdem es deswegen immer wieder Anfragen aus der rechten Szene gegeben hatte, sei es auf diesem Wege gelungen, die Suite 100 zu entmystifizieren, sagte Hotel-Sprecherin Andrea Dietrich.