Kiew (dpa) - Joachim Löw stimmte nur kurz ein paar Lobeshymnen auf die attraktiven EM-Gruppengegner an, dann schaltete er sofort wieder auf den Arbeitsmodus um.

«Jetzt haben wir mal eine klare Struktur und können die nächsten Schritte machen», erklärte ein gefasster, aber auch ein wenig nachdenklicher Bundestrainer nach einer Auslosung, die im deutschen Fußball-Lager nicht gerade für Jubelstürme gesorgt hatte. «Ich sehe unglaublich viel fußballerisches Potenzial in der Gruppe», betonte Löw noch in Kiew, bevor er sich auf dem Heimflug nach Frankfurt bereits intensiv mit der Konkretisierung seines EM-Titelplans beschäftigen wollte.

«Wir haben trotz einer souveränen Qualifikation noch nichts gewonnen. Die Konzentration wird von Anfang an sehr hoch sein», kündigte Teammanager Oliver Bierhoff unmittelbar nach der kurzen und eher unspektakulären Auslosungszeremonie am Freitagabend im Kiewer Kunstpalast eine klare Reaktion auf die starken Vorrundengegner Portugal (9. Juni in Lwiw), Niederlande (13. Juni in Charkow) und Dänemark (17. Juni in Lwiw) an. Als erster Schritt sollen die Testspiel-Gegner für die letzten beiden EM-Tests Ende Mai und Anfang Juni festgelegt werden, dann folgt die konkrete zeitliche Planung der unmittelbaren Turniervorbereitung.

Auf den Termin der Anreise ins DFB-Stammquartier an der polnischen Ostseeküste nähe Danzig hat sich Löw praktisch schon festgelegt. Spätestens fünf Tage vor dem ersten Spiel muss das deutsche Team im Gastgeberland anreisen, legt das Reglement der Europäischen Fußball-Union (UEFA) fest. Das heißt, am 4. Juni müsste die Mannschaft von Kapitän Philipp Lahm eintreffen. «Früher werden wir nicht da sein», erklärte Löw. So wird die EM-Generalprobe höchstwahrscheinlich am 1. oder 2. Juni in Leipzig steigen.

Zuvor ist an der Costa Smeralda auf Sardinien vom 11. bis zum 18. Mai ein Regenerations-Trainingslager angesetzt. Danach wird das DFB-Team in Tourettes in Südfrankreich Teil zwei der unmittelbaren EM-Vorbereitung absolvieren. Dort soll es wahrscheinlich auch ein Testländerspiel geben. «Wir haben schon mehrere Varianten durchgespielt», verriet Löw. Auf die Gegner in den beiden Spielen wird sich die sportliche Leitung der Nationalelf in Kürze festlegen.

Die Vorfreude auf den sportlichen Leckerbissen EURO 2012 ist schon jetzt groß bei Löw und seinen Helfern. «Ein Turnier ist etwas Schönes und Spannendes. Da blühen alle ein wenig auf», sagte der 51-Jährige. Nicht nur durch die schwere Vorrunde sieht Löw das 14. europäische Championat als große Herausforderung: «Ich glaube, dass die EM insgesamt ein Hammerturnier wird.»

Bei einer WM gebe es immer zwei, drei, vier Mannschaften, die überhaupt keine Rolle spielen, betonte Löw. Bei einer EM sei das ganz anders: «Jeder Gegner ist gut und kann viel leisten. Jeder hat Topspieler, Weltklassespieler in seinen Reihen. Es ist ein ausgeglichenes Turnier, eine Hammermeisterschaft.»