Kiew (dpa) - Joachim Löw konnte in Kiew trotz der brisanten EM-Lose sogar noch zwei Gläser Rotwein genießen. Die Titelambitionen des Fußball-Bundestrainers und der deutschen Nationalelf sind auch nach den feststehenden Vorrundengegnern Portugal, Niederlande und Dänemark nicht kleiner geworden.

«Ich freue mich auf interessante Duelle. In Topform haben wir berechtigte Chancen», sagte Löw, der sich nach einem Abendessen mit seinen europäischen Trainerkollegen noch im engsten Kreis seiner Mitarbeiter mit einem edlen Tropfen zurückzog. «Der Glaube ist da, wohlwissend, dass es ein langer und schwerer Weg wird», betonte Teammanager Oliver Bierhoff.

Löw stimmte nur kurz ein paar Lobeshymnen auf die attraktiven EM-Gruppengegner an, dann schaltete er sofort wieder auf den Arbeitsmodus um. «Jetzt haben wir mal eine klare Struktur und können die nächsten Schritte machen», erklärte ein gefasster, aber auch ein wenig nachdenklicher Bundestrainer nach einer Auslosung, die im deutschen Fußball-Lager nicht gerade für Jubelstürme gesorgt hatte. «Ich sehe unglaublich viel fußballerisches Potenzial in der Gruppe», betonte Löw noch in Kiew, bevor er sich am Samstag auf dem Heimflug nach Frankfurt bereits intensiv mit der Konkretisierung seines EM-Titelplans beschäftigen wollte.

«Wir haben trotz einer souveränen Qualifikation noch nichts gewonnen. Die Konzentration wird von Anfang an sehr hoch sein», kündigte Bierhoff unmittelbar nach der kurzen und eher unspektakulären Auslosungszeremonie am Freitagabend im Kiewer Kunstpalast eine klare Reaktion auf die starken Vorrundengegner Portugal (9. Juni in Lwiw), Niederlande (13. Juni in Charkow) und Dänemark (17. Juni in Lwiw) an. Noch in Kiew gab es erste organisatorische Absprachen.

Als nächster Schritt sollen die Gegner für die letzten beiden EM-Tests Ende Mai und Anfang Juni festgelegt werden, dabei sucht Löw besonders nach Doubles für die Portugiesen und Dänen. «Viele wollen gegen uns spielen», verriet der 51-Jährige. Anfang dieser Woche wird er mit seinem Trainerstab Details besprechen. Die Holländer hatte das Löw-Team kürzlich beim beeindruckenden 3:0 von Hamburg bereits persönlich getestet. Neben den Spaniern sieht der DFB-Chefcoach die «Oranjes» noch immer «als Maß aller Dinge», zumal sie «mit allen Spielern viel stärker sind als zuletzt in Hamburg».

Auf den Termin der Anreise ins DFB-Stammquartier an der polnischen Ostseeküste nähe Danzig hat sich Löw praktisch schon festgelegt. Spätestens fünf Tage vor dem ersten Spiel muss das deutsche Team im Gastgeberland anreisen, legt das Reglement der Europäischen Fußball-Union (UEFA) fest. Das heißt, am 4. Juni müsste die Mannschaft von Kapitän Philipp Lahm eintreffen. «Früher werden wir nicht da sein», erklärte Löw. So wird die EM-Generalprobe höchstwahrscheinlich am 1. oder 2. Juni in Leipzig steigen.

Zuvor ist an der Costa Smeralda auf Sardinien vom 11. bis zum 18. Mai ein Regenerations-Trainingslager angesetzt. Danach wird das DFB-Team in Tourettes in Südfrankreich Teil zwei der unmittelbaren EM-Vorbereitung absolvieren. Dort soll es wahrscheinlich auch ein Testländerspiel geben. «Wir haben schon mehrere Varianten durchgespielt», verriet Löw. Auf die Gegner in den beiden Spielen wird sich die sportliche Leitung der Nationalelf in Kürze festlegen.

Die Vorfreude auf den sportlichen Leckerbissen EURO 2012 ist schon jetzt groß bei Löw und seinen Helfern. «Ein Turnier ist etwas Schönes und Spannendes. Da blühen alle ein wenig auf», sagte der 51-Jährige. Nicht nur durch die schwere Vorrunde sieht Löw das 14. europäische Championat als große Herausforderung: «Ich glaube, dass die EM insgesamt ein Hammerturnier wird.»

Bei einer WM gebe es immer zwei, drei, vier Mannschaften, die überhaupt keine Rolle spielen, betonte Löw. Bei einer EM sei das ganz anders: «Jeder Gegner ist gut und kann viel leisten. Jeder hat Topspieler, Weltklassespieler in seinen Reihen. Es ist ein ausgeglichenes Turnier, eine Hammermeisterschaft.» Seine Mannschaft sei zwar weiter als 2008. «Einige Mannschaften aber auch. Es gibt für mich mehrere Favoriten bei diesem Turnier. Das alles Entscheidende ist, welche Mannschaft bringt die beste Form mit ins Turnier, die wenigsten Probleme. Wer hat keine Verletzungen.»