Warschau/Kiew (dpa) - In Warschau wurden die Los-Träume wahr, in Kiew erschraken die Fans angesichts der Gruppengegner - mit völlig verschiedenen Gefühlen haben die Fans der Gastgeberländer auf die Auslosung zur Fußball-Europameisterschaft 2012 reagiert.

Dank eines beheizbaren Großzeltes strömten am Freitagabend gut 3000 polnische Fußball-Fans vor die Großleinwand am Warschauer Kulturpalast im Herzen der polnischen Hauptstadt. Anfangs gab es noch Buhrufe - nämlich immer dann, wenn im fernen Kiew die Kameras auf Grzegorz Lato, den Präsident des polnischen Fußball-Verbandes schwenkten. Ein neuer Korruptionsverdacht hat den Verband einmal mehr in die Negativschlagzeilen gebracht. Doch all das war schnell vergessen, als die Gegner des polnischen Teams feststanden.

Griechenland, Russland, Tschechien - das waren die Länder, die die polnischen Fans seit Tagen nannten, wenn es um ihre Wunschgegner A ging. Der 18-jährige Andrzej Wozniak, der mit Fanshirt und -schal gekommen war, drückte seine Freundin Malgosia mit strahlenden Augen an sich. «Besser hätte es für uns nicht laufen können - das ist wie ein Traum», jubelte er. Marek Wisniewski, der über sein Mobiltelefon schnell einen Überstunden schiebenden Freund über die Auslosung der Staffel A informierte, meinte optimistisch: «Mit diesen Gegnern haben wir sogar mal eine Chance, in die zweite Runde zu kommen.»

Andere waren nach Jahren der Enttäuschungen vorsichtiger - etwa Nationaltrainer Franciszek Smuda. «Die Gruppe ist ausgeglichen, aber es besteht kein Anlass zur Euphorie», mahnte Smuda. In Warschau schloss sich der 26-jährige Wojtek Kaczmarek an: «Polen ist dabei, weil sie Gastgeber sind, so einfach ist das. In der Qualifikation hätten sie sicher keine Chance gehabt. Wenn Polen rausgekickt ist, können wir immer noch Klose und Podolski die Daumen drücken.»

Rund 1000 ukrainische Fans verfolgten auf einer Großleinwand auf dem Unabhängigkeitsplatz im Zentrum von Kiew die Auslosung. Ein Raunen ging durch die Menge, als die Gruppe D feststand. «Mit Schweden, Frankreich und England warten nicht nur im sportlichen Bereich schwere Brocken auf die Gastgeber», schrieb die Zeitung «Segodna» am Samstag. Ein junges Mädchen weinte sogar. «Wie sollen wir diese Gruppe überstehen?» fragte sie klagend. Optimistischer war Student Sergej: «Wir spielen doch im eigenen Land, das ist ein großer Vorteil. Gott sei Dank spielen wir am Anfang nicht gleich gegen die deutsche Elf.»

Der ukrainische Nationaltrainer Oleg Blochin meinte lakonisch: «Die Gruppe hätte besser, aber auch schlimmer sein können.» Blochin verwies dann auf die EM 1992, als England und Frankreich als Gruppenfavoriten in der Vorrunde hängenblieben - an Schweden und am späteren Überraschungschampion Dänemark.

Die Reaktionen aus den Austragungsstädten sind gespalten. In Donezk und Kiew fürchtet man Zusammenstöße mit den englischen Fans. In Charkow freut man sich hingegen über die Begegnung zwischen Deutschland und den Niederlanden. «Wir werden zwei absolute Topmannschaften sehen», sagte Denis Iwanow vom örtlichen Organisationskomitee. Auch im westukrainischen Lwiw ist man zufrieden mit der Auslosung und freut sich nicht nur auf die deutsche Mannschaft, sondern auch auf die vielen Touristen.