Frankfurt (dpa) - Dank guter Vorgaben hat der Dax am Donnerstag vor dem mit Spannung erwarteten EU-Gipfel die Marke von 6.000 Punkten zurückerobert.

Der deutsche Leitindex gewann im frühen Handel 1,17 Prozent auf 6.065,11 Punkte, nachdem das Kursbarometer tags zuvor ein Wechselbad aus Optimismus und Pessimismus mit einem Abschlag von 0,57 Prozent beendet hatte. Der MDax stieg um 0,56 Prozent auf 8.898,78 Punkte und der TecDax verbesserte sich um 0,44 Prozent auf 689,61 Punkte.

Da am Abend aber nicht nur das Treffen der Staats- und Regierungschefs der EU beginnt, sondern mit der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank bereits am Mittag ein weiterer Hochkaräter ansteht, rechnen Marktteilnehmer im weiteren Verlauf mit wachsender Zurückhaltung seitens der Anleger. "Die nächsten 24 Stunden markieren eine wichtige Weggabelung im Verlauf der Krise Europas", konstatieren die Devisenexperten der Commerzbank. Zuletzt waren die Erwartungen an den Gipfel und entscheidende Schritte in der Lösung der Schuldenkrise enorm gestiegen, die US-Bank Goldman Sachs hatte aber bereits am Vortag vor Enttäuschungen gewarnt. Ein Börsianer sagte: "Am Markt wird eine Zinssenkung der EZB um 25 Basispunkte eingepreist. Kommt sie nicht, droht Ernüchterung."

Ein Rating-Rundumschlag von S&P gegen die europäischen Banken erwies sich bei den Aktien ihrer deutschen Vertreter zunächst kaum als Belastung. Im Gegenteil, Papiere der Deutschen Bank <DBK.ETR> lagen mit plus 2,95 Prozent an der Dax-Spitze. Commerzbank-Papiere pendelten zwischen Gewinnen und Verlusten, legten aber zuletzt um 0,71 Prozent. Nach Europas Staaten attackiert die US-Ratingagentur nun auch Europas Banken. Auch die Deutsche Bank und die Commerzbank stehen nun unter verschärfte Beobachtung ("CreditWatch"). Die Nachricht kam aber schon am Vorabend während des US-Handels an den Markt und auch der US-Sektorindex reagierte nicht negativ.

Aktien des weltgrößte Rückversicherers Munich Re stiegen trotz der Belastung von vermutlich rund 500 Millionen Euro vor Steuern durch die Überschwemmungen in Thailand um 1,74 Prozent. Triebfeder war eine Kaufempfehlung der UBS. Eine Empfehlung der Citigroup half Centrotherm mit plus 8,82 Prozent an die TecDax-Spitze. Beim Hamburger Hafenbetreiber HHLA verhalf eine Hochstufung durch die HSBC zum Kursplus von 2,02 Prozent.

Bayer-Aktien gewannen ebenfalls überdurchschnittliche 1,46 Prozent. Ein Händler verwies auf schlechte Neuigkeiten für den Gerinnungshemmer Pradaxa von Boehringer Ingelheim, ein Konkurrenzprodukt für Bayers Xarelto. Die US-Gesundheitsbehörde FDA prüfe Berichte über schwere Blutungen bei Patienten, die mit Pradaxa behandelt werden, hieß es. Gleichzeitig drohe aber durch die wahrscheinlicher gewordene Zulassung eines Krebsmedikaments von Pfizer neuer Wettberwerb für Nexavar.