Frankfurt (dpa) - Vor der EZB-Zinsentscheidung und dem mit Spannung erwarteten EU-Gipfel hat der Dax die Marke von 6.000 Punkten zurückerobert. Die Anleger setzten auf eine Zinssenkung und wegweisende Beschlüsse der Staats- und Regierungschefs zur Sicherung der Eurozone, hieß es am Markt.

Hiervon getragen gewann der deutsche Leitindex bis zum Mittag 0,39 Prozent auf 6.018,31 Punkte. Von seinem Tageshoch bei 6.072 Punkten kam er damit jedoch bereits deutlich zurück. Die Indizes der zweiten Reihe gaben dagegen zuletzt leicht nach: Der MDax büßte 0,26 Prozent ein auf 8.826,82 Punkte und der TecDax gab um 0,27 Prozent nach auf 684,72 Punkte.

Zunächst seien alle Augen auf die EZB gerichtet, die neben der Senkung des Leitzinses auch weitere Hilfen für die angeschlagenen Banken bekannt geben könnte, sagte Händlerin Anita Paluch von Gekko Global Markets. Damit könnte das Vertrauen in den Finanzsektor gestützt werden. Eine weitere spannende Frage sei, ob EZB-Präsident Mario Draghi möglicherweise Hinweise auf eine Ausweitung der Anleihekäufe durch die Notenbank geben wird, so Paluch. In Bezug auf den EU-Gipfel schwanken die Anleger derweil weiter zwischen Zuversicht und Pessimismus. Über die Bedeutung herrscht indes kaum Zweifel: "Die nächsten 24 Stunden markieren eine wichtige Weggabelung im Verlauf der Krise Europas", konstatieren die Devisenexperten der Commerzbank.

Ein Rating-Rundumschlag von S&P gegen die europäischen Banken erwies sich bei den Aktien ihrer deutschen Vertreter zunächst kaum als Belastung. Im Gegenteil, Papiere der Deutschen Bank <DBK.ETR> gehörten mit plus 1,54 Prozent zu den Dax-Favoriten. Commerzbank-Papiere pendelten zwischen Gewinnen und Verlusten, gaben zuletzt aber um 1,06 Prozent nach. Nach Europas Staaten attackiert die US-Ratingagentur nun auch Europas Banken. Die Deutsche Bank und die Commerzbank stehen nun auch unter verschärfte Beobachtung ("CreditWatch"). Analyst Philipp Häßler von Equinet sah dies aber nicht als Überraschung an, nachdem zu Wochenbeginn bereits auf einen Schlag die Kreditwürdigkeit von 15 Staaten der Eurozone unter Beobachtung gestellt hatte. Aus Sicht von Häßler hatten steigende Finanzierungskosten der Banken in den vergangenen Wochen ohnehin schon eine Verschlechterung der Kreditwürdigkeit angezeigt.

Aktien des weltgrößte Rückversicherers Munich Re stiegen trotz der Belastung von vermutlich rund 500 Millionen Euro vor Steuern durch die Überschwemmungen in Thailand um 1,66 Prozent. Triebfeder war eine Kaufempfehlung der UBS. Eine Empfehlung der Citigroup half Centrotherm mit plus 7,24 Prozent an die TecDax-Spitze.

Bayer-Aktien gewannen ebenfalls überdurchschnittliche 1,19 Prozent. Ein Händler verwies auf schlechte Neuigkeiten für den Gerinnungshemmer Pradaxa von Boehringer Ingelheim, ein Konkurrenzprodukt für Bayers Xarelto. Die US-Gesundheitsbehörde FDA prüfe Berichte über schwere Blutungen bei Patienten, die mit Pradaxa behandelt werden, hieß es. Gleichzeitig drohe aber durch die wahrscheinlicher gewordene Zulassung eines Krebsmedikaments von Pfizer neuer Wettbewerb für Nexavar.