Frankfurt/Main (dpa) - Mitten in der Schuldenkrise bekommen sechs deutsche Banken schlechte Noten von der europäischen Bankenaufsicht EBA. Insgesamt fehlen bei diesen Instituten 13,1 Milliarden Euro Kapital für Krisenzeiten, wie die EBA am Donnerstag in London mitteilte.

Bundesbank und Bafin stellten klar: Dass die Summe höher ausfiel als zunächst erwartet, sei vor allem «einer sehr harten Kernkapitaldefinition» geschuldet. Den größten Bedarf hat mit 5,3 Milliarden Euro wie erwartet die stark in den Euro-Schuldenländern engagierte Commerzbank. Wie die Institute die Lücken schließen wollen, sollen sie bis zum 20. Januar bei den nationalen Aufsichtsbehörden erklären. Bis Ende Juni haben sie dann Zeit, diese Pläne umzusetzen. Können sie die Kapitalpuffer nicht aus eigener Kraft verstärken, drohen notfalls Staatshilfen.

Der Deutschen Bank fehlen 3,2 Milliarden Euro, um eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent zu erreichen. Diesen Wert müssen die europäischen Institute nach Vorgabe der EBA bis Ende Juni 2012 erreichen.

Kapitalbedarf haben auch die genossenschaftliche DZ Bank (353 Mio Euro) sowie die Landesbanken Helaba (1,5 Mrd Euro), NordLB (2,5 Mrd Euro) und WestLB (224 Mio Euro). Die WestLB stand nur noch pro forma auf der Liste der 13 deutschen Banken. Die Zerschlagung des Düsseldorfer Instituts ist längst beschlossene Sache.

Zuletzt hatten sich die Institute optimistisch gezeigt, die Lücken aus eigener Kraft schließen zu können. Auch die bereits teilverstaatlichte Commerzbank will neuerliche Hilfen des Bundes unbedingt vermeiden. Sie will Bilanzrisiken um 30 Milliarden Euro herunterschrauben, Randgeschäfte verkaufen und Gewinne einbehalten. Zudem dürfen einzelne Geschäftsfelder derzeit keine Kredite mehr vergeben. Ein Rückkauf von Hybridanleihen läuft bei der Commerzbank bereits.

Ursprünglich waren Europas Aufseher von 5,2 Milliarden Euro Kapitalbedarf für Deutschlands Banken ausgegangen. Nachdem die EBA die Kriterien verschärft hatte, war in Finanzkreisen zuletzt ein Wert von rund 10 Milliarden Euro gehandelt worden.

Die EBA ließ letztlich die zumeist schlechten Geschäftsergebnisse aus dem dritten Quartal einfließen, setzte strengere Maßstäbe für Risikoanlagen an und schränkte die Verrechnung von Gewinnen und Verlusten bei Staatsanleihen ein. Die härteren Vorgaben bekamen besonders die deutschen Geldhäuser zu spüren.

Europaweit erhöhte sich der Kapitalbedarf im Vergleich zu den ursprünglichen Annahmen um rund 8 Milliarden auf 114,7 Milliarden Euro. Besonders hohen Kapitalbedarf haben Krisenländer wie Spanien mit 26,170 Milliarden Euro und Italien mit 15,366 Milliarden Euro. Ein Sonderfall ist Griechenland. Die EBA nannte hier einen Kapitalbedarf von exakt 30 Milliarden Euro. Neuere Zahlen wurden nicht genannt.

Bundesbank und Bafin erklärten, teilweise sei der Kapitalbedarf der deutschen Institute bereits gedeckt: So haben die Träger der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und der NordLB längst Maßnahmen zur Kapitalstärkung beschlossen. Diese werden erst Ende 2011 wirksam - und wurden von der EBA wegen des Stichtags 30. September nicht anerkannt.

Mit dem beim EU-Gipfel Ende Oktober beschlossenen Test wollte die Politik Vertrauen der Märkte in die Stabilität der Banken zurückgewinnen. Kritiker bezweifeln, dass das angesichts des Hick-Hacks um die Maßstäbe und der immer wieder verschobenen Veröffentlichung der Ergebnisse gelingen wird.

«Der Stresstest hat sein vorrangiges Ziel, Vertrauen in den Märkten zu schaffen, nicht erfüllt», befand am Donnerstag der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Öffentlicher Banken (VÖB), Hans Reckers. Michael Kemmer vom Privatbankenverband BdB sprach von einem «chaotisch wirkenden Prozess». Die Märkte seien durch die EBA hochgradig verunsichert worden.

Bundesbank zu Ergebnissen

Beschluss des EU-Gipfels vom 26. Oktober

EBA zum aktuellen Blitz-Stresstest

Deutsche Ergebnisse Stresstest Juli 2011

EBA zu europäischen Ergebnissen Juli 2011