Frankfurt/Main (dpa) - Frankfurt/Main (dpa) - Die Europäische Zentralbank (EZB) greift den von Staatsschulden- und Vertrauenskrise gebeutelten Banken noch stärker unter die Arme. Zusätzlich zur Senkung des Leitzinses auf das Rekordtief von 1,0 Prozent kündigte EZB-Präsident Draghi Maßnahmen zur Stützung des Finanzsektors an.

So können sich Geschäftsbanken künftig für einen extrem langen Zeitraum von drei Jahren frisches Geld von der Notenbank leihen. Bislang sind solche Geschäfte nur für die Dauer eines Jahres möglich, was auch schon außergewöhnlich lang ist. Zudem gelten künftig weniger strenge Kriterien für Sicherheiten, welche die Banken bei der EZB hinterlegen müssen. Mit solchen Maßnahmen will die EZB verhindern, dass der Geldmarkt austrocknet und damit letztlich auch bei Unternehmen und Verbrauchern weniger Kredite ankommen.

Der Euroraum steuert nach Einschätzung der Europäische Zentralbank auf eine Stagnation im kommenden Jahr zu. Die Konjunkturaussichten hätten sich infolge der Unsicherheiten durch die Staatsschuldenkrise deutlich eingetrübt, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Selbst eine Rezession schließt die Notenbank nicht länger aus.

Die EZB rechnet für 2012 mittlerweile nur noch mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,3 Prozent, die Spanne liegt zwischen minus 0,4 Prozent und plus 1,0 Prozent. Im September war die EZB noch von einem Plus von 1,3 Prozent ausgegangen.

Für das laufende Jahr rechnet die Notenbank mit einem Wachstum der Wirtschaftsleistung von 1,6 Prozent. Nach dem schwachen kommenden Jahr dürfte die Konjunktur nach den Prognosen 2013 wieder anspringen und um 1,3 Prozent (Spanne 0,3 bis 2,3 Prozent) wachsen.

Die Inflation wird nach Draghis Prognose in den kommenden Monaten über dem EZB-Zielwert von knapp unter 2,0 Prozent verharren. Im laufenden Jahr erwartet die Notenbank eine Jahresteuerung von 2,7 Prozent (Spanne 2,6 bis 2,8 Prozent). Im kommenden Jahr dürfte der Preisdruck auch wegen der schwachen Konjunktur nachlassen. Die EZB erwartet eine Inflationsrate von 2,0 Prozent (Spanne 1,5 bis 2,5 Prozent). 2013 soll die Teuerung im Euroraum nach der Prognose auf 1,5 Prozent (0,8 bis 2,2 Prozent) fallen.