Paris (dpa) - Nach dem skandalumwitterten 7:1-Erfolg von Olympique Lyon bei Dinamo Zagreb wehren sich die Vereine gegen einen Betrugsverdacht. Vor allem Ajax Amsterdam fühlt sich betrogen und fordert eine Reaktion der UEFA, die sieht keine Gründe für Ermittlungen.

«Zum jetzigen Zeitpunkt» habe das Warnsystem «keine irregulären Wettmuster bezüglich des gestrigen Spiels gezeigt, die eine Untersuchung rechtfertigen würden», teilte die Europäische Fußball-Union (UEFA) in einer schriftlichen Stellungnahme mit.

Nach dem 0:3 von Ajax Amsterdam gegen Real Madrid, bei dem zwei offenbar reguläre Ajax-Tore aberkannt wurden, und dem 7:1 von Lyon in Zagreb hatten die Franzosen den niederländischen Rekordmeister dank der besseren Tordifferenz noch abgefangen und das Achtelfinale der Champions League erreicht. Vor allem in niederländischen Medien war anschließend von Betrug die Rede. In Internet-Foren tauchten Fotos eines Zagreb-Spielers vor einem Wettbüro auf.

«Das Resultat ist auffallend. Aber wenn seltsame Dinge geschehen sind, muss man diese beweisen können», sagte Ajax-Trainer Frank de Boer zurückhaltend. Hätte Lyon nur 4:1 gewonnen, wäre Ajax trotz der 0:3-Heimniederlage gegen Real Madrid ins Achtelfinale eingezogen. Die UEFA könne darüber nicht einfach so hinweggehen, erklärte Ajax-Direktor Martin Sturkeboom. Das Begehren um Klärung werde der UEFA offiziell per Brief übermittelt, kündigte er an. «Wir wollen auf alle Fälle eine Reaktion von der UEFA», erklärte Sturkenboom. «Wir erwarten zwar nicht, dass dabei viel herauskommt. Aber gar nichts tun, ist auch keine Option.»

Die UEFA warte nun die Berichte des Schiedsrichters, der Schiedsrichterbeobachter und der Match-Delegierten ab, hieß es in dem UEFA-Schreiben. Man wolle sehen, ob nach deren Ansichten «etwas Verdächtiges passiert sein könnte». Wenn es Anhaltspunkte für Unregelmäßigkeiten gebe, werde die UEFA Untersuchungen einleiten. «Aber im Moment gibt es dafür keine Gründe», schrieb der Verband. Das Wettbetrugs-Warnsystem habe bislang keine Auffälligkeiten gemeldet.

Kroatiens Meister fand in Trainer Krunoslav Jurcic ein Bauernopfer und gab die Trennung bekannt. Der Verein wies später auf seiner Internetseite die «unverschämten und bösartigen Vorwürfe» zurück.

Olympique Lyon «bedauert, dass die Kommentare sich nicht auf den sportlichen Teil einer unglaublichen Heldentat beschränken, die sowohl Olympique Lyon als auch der französische Fußball vollbracht haben», so der Verein. Die französische Kontrollbehörde für Online-Wetten Arjel teilte mit, dass man eine Ermittlung eingeleitet habe und die Wetteinsätze vor und während des Spiels untersuchen werde. Lyon begrüßte das: «Der Verein stimmt dieser Aktion, die wegen eines untypischen Ergebnisses eingeleitet wurde, völlig zu.»

Die französische Kontrollbehörde für Online-Wetten Arjel teilte mit, dass man eine Ermittlung eingeleitet habe. Man werde die Wetteinsätze überprüfen, die vor und während des Spiels in Zagreb getätigt worden seien, hieß es. Lyon begrüßte die Untersuchung ausdrücklich: «Der Verein stimmt dieser Aktion, die wegen eines untypischen Ergebnisses eingeleitet wurde, völlig zu», so der Club.

Olympique-Präsident Jean-Michel Aulas warf den spanischen Medien vor, die Betrugsgerüchte aus Rache in Gang gesetzt zu haben. «Das ist eine Antwort der spanischen Medien auf die von (Ex-Tennis-Star) Yannick Noah angezettelte Doping-Polemik», sagte Aulas im Gespräch mit dem Radiosender Europe 1. Man dürfe sich nicht «völlig unmögliche Sachen vorstellen (...) Ich glaube, das ist vonseiten der Spanier kein Fair Play», fügte Aulas an. Der Franzose Noah hatte jüngst mit pauschalen Dopingvorwürfen gegen den spanischen Sport und der Forderung nach einer Freigabe verbotener Mittel Empörung ausgelöst.

Zur Pause stand es in Zagreb 1:1. Um den Rückstand im Fernduell mit Ajax noch wettzumachen, benötigte Lyon nach dem Wechsel mindestens fünf Tore. Nach 52 Minuten führte Lyon 4:1, wenig später waren das 7:1 und die Qualifikation für das Achtelfinale perfekt.