Stettin (dpa) - Paul Biedermann kann über 400 Meter Freistil in Europa keiner das Wasser reichen. Der Weltrekordler holte zum Auftakt der Kurzbahn-EM in Stettin seinen vierten EM-Titel in Serie über diese Distanz.

In 3:38,65 Minuten verbesserte Biedermann seine Weltjahresbestzeit um 1,75 Sekunden. «Ich hätte mir eine noch schnellere Zeit gewünscht. Das ist mein innerer Anspruch, aber das ist schon okay», sagte der 25-Jährige aus Halle/Saale, dem der Däne Mads Glaesner (3:39,30) lange Paroli bot.

«Mit dem Mads habe ich einen Super-Konkurrenten gehabt. Auf meine letzten 50 Meter kann ich mich nicht immer verlassen. Das war schon anstrengend», sagte Biedermann lächelnd. Unter dem Jubel der Zuschauer wurde Lokalmatador Pawel Korzeniowski Dritter. Gegen den Polen hatte Biedermann seine bislang letzte Niederlage über 400 Meter Freistil auf der 25-Meter-Bahn kassiert. Bei der EM in Debrecen 2007 holte er damals 4/100 Sekunden hinter Korzeniowski die Silbermedaille.

Über 200 Meter Rücken schlug Titelverteidiger Yannick Lebherz geschwächt von einer neuerlichen Entzündung im Hals- und Kopfbereich nach 1:54,35 als Siebter an. Der Darmstädter hatte nach den Vorläufen schon überlegt, für das Finale abzumelden. Die Krankheit hatte ihn schon im November außer Gefecht gesetzt. Nur knapp verfehlte Jan-Philip Glania (Frankfurt/Main) als Vierter um 0,29 Sekunden Bronze. Der Sieg ging in der Weltjahresbestzeit von 1:49,15 Minuten an den Polen Radoslaw Kawecki vor dem Spanier Aschwin Wildeboer und dem Ungarn Peter Bernek.

Als einer von ganz wenigen Schwimmern hatte der Wettkampftyp Biedermann sich auf diese EM vorbereitet und das Training etwas zurückgefahren. Der Sportler des Jahres 2009 liebt die Rennen Mann gegen Mann und zieht daraus seine Motivation. «Natürlich ist es schade, dass viele Konkurrenten hier nicht am Start sind, aber jeder bereitet sich auf seine Art vor.»

Theresa Michalak ist über 200 Meter Lagen auf Platz vier geschwommen. Die 19-Jährige aus Halle/Saale schlug nach 2:09,19 Minuten an. Michalak hatte vor der EM einige Tage wegen eines Magen-Darm-Infektes nicht trainieren können. Weltmeisterin Mireia Belmonte aus Spanien sicherte sich in 2:07,06 Minuten den Sieg vor Titelverteidigerin Evelyn Verraszto aus Ungarn (2:08,28) und der Britin Hannah Miley (2:08,34).

Der Rest des deutschen Teams und die meisten europäischen Spitzenathleten haben nur London im Blick. So sparten sich die besten Niederländerinnen und Schwedinnen, immerhin Britta Steffens Hauptkonkurrentinnen auf den Freistil-Strecken, die Reise nach Polen. Andere wie der vierfache Europameister von 2010, Steffen Deibler, bestreiten die EM ohne große Erwartungen aus dem vollen Training heraus. So verpasste der Titelverteidiger mit üppigem Vollbart das Finale über 50 Meter Freistil als Halbfinal-Elfter ebenso wie der Leipziger Stefan Herbst (16.).

«Ich bin überhaupt nicht vorbereitet. Olympia steht über allem», sagte Deibler. Sechs deutsche EM-Titel zum Auftakt wie vor einem Jahr in Eindhoven waren von vornherein illusorisch.

Titelverteidigerin Dorothea Brandt weckte als Halbfinal-Zweite über 50 Meter Brust noch Medaillenhoffnungen für das Finale. Im Halbfinale über 100 Meter Rücken scheiterten Jenny Mensing (Wiesbaden/14.) und auf ihrer Nebenstrecke Silke Lippok (20.).