Moskau (dpa) - Russlands Regierungschef Wladimir Putin hat den USA vorgeworfen, zu kremlkritischen Massenprotesten gegen die umstrittene Parlamentswahl aufgerufen zu haben.

Die Demonstranten «haben dieses Signal erhalten und dann mit Unterstützung des US-Außenministeriums die aktive Arbeit angefangen», sagte Putin nach Angaben der Agentur Interfax. Putin hat dem Westen immer wieder vorgeworfen, die Opposition sowie Menschenrechtler in Russland zu finanzieren und gegen die Staatsmacht aufzuhetzen.

US-Außenministerin Hillary Clinton hatte die Abstimmung in Russland als unfair und nicht frei kritisiert. Regierungsgegner hatten nach der von Fälschungsvorwürfen überschatteten Wahl vom Sonntag massenhaft gegen den Sieg der Kremlpartei Geeintes Russland protestiert. Landesweit waren in den vergangenen Tagen Hunderte Demonstranten festgenommen worden. In Eilverfahren wurden am Mittwoch Dutzende Regierungsgegner zu Geld- und Arreststrafen verurteilt.

«Wir wissen alle, dass ein Teil der Organisatoren (der Proteste) nach dem bekannten Szenario agiert und selbstsüchtige politische Ziele verfolgt», sagte Putin. Er kündigte härtere Strafen an. «Wir sind zum Schutz unserer Souveränität gezwungen, über die Vervollkommnung unserer Gesetze nachzudenken. Diejenigen, die im Dienste anderer Staaten auf innenpolitische Prozesse Einfluss nehmen, müssen härter zur Verantwortung gezogen werden», sagte Putin.

Putin hatte dem Westen auch im Zusammenhang mit den Umbrüchen in der arabischen Welt vorgeworfen, es auf Öl und Gas in den Ländern abgesehen zu haben. Den Nato-Einsatz in Libyen etwa verglich er mit einem «mittelalterlichen Kreuzzug». Die Mehrheit der Russen wolle kein «Chaos», sagte Putin. Die Sicherheitsorgane seien aufgerufen, die Ordnung zu erhalten. Zugleich bot er der Opposition einen Dialog an.