Frankfurt (dpa) - Der deutschen Standardwerteindizes sind am Dienstag bei nervösem Handel vor wichtigen Daten zwischen Plus und Minus hin und her gesprungen. Der Dax gewann am Mittag 0,83 Prozent auf 5.833,19 Punkte.

Zuvor war der Leitindex nach festem Start wegen der erhöhten Risikoscheu der Anleger vor wichtigen neuen Impulse ins Minus gerutscht. Dann stützten gute Ergebnisse der Anleihenautkion in Spanien sowie besser als befürchtete ZEW-Konjunkturerwartungen in Deutschland. Der MDax mittelgroßer Werte stieg zuletzt um 0,85 Prozent auf 8.631,33 Punkte, der TecDax legte 0,81 Prozent auf 670,97 Punkte zu.

Analyst Gregor Kuhn von IG Markets sagte: "Der positive Impuls vom ZEW-Index kann dazu beitragen wieder ein bisschen Zuversicht in den Markt zu bringen." Hinzu komme die gute Anleihenauktion in Spanien, die Sorgen des Marktes um Finanzierungsprobleme etwas mildere.

Aus Sicht von Kuhn bringt jede Auktion von Ländern wie Spanien oder Italien mit guter Nachfrage zu erträglichen Zinskonditionen den Markt derzeit nach vorne. Am Vortag hatte der Dax mehr als drei Prozent eingebüßt. Die anhaltenden Sorgen um die Eurozone nach einem überwiegend mit Enttäuschung aufgenommenen EU-Gipfel hatten für den Ausverkauf gesorgt.

Bester Dax-Wert waren K+S-Aktien mit plus 3,64 Prozent auf 35,000 Euro. Händler verwiesen auf Nachrichten aus Brasilien, wo Vale die restlichen Anteile an seiner Düngemitteltochter kaufen will. Nach der jüngsten Schwäche habe sich auch das charttechnische Bild mit dem Überwinden von 34,50 Euro wieder verbessert. Zudem zählten Automobil-Aktien zu den Gewinnern.

Ein Händler führte dies auf den insgesamt festeren Gesamtmarkt und auf die erneut starken Absatzzahlen der Marke Volkswagen zurück. Insgesamt wurden im November 14,5 Prozent mehr Fahrzeuge mit dem VW-Logo abgesetzt. Zudem stellte der europäische Branchenindex Stoxx 600 Auto mit plus 1,18 Prozent den stärksten Sektor. Die BMW-Aktie war mit einem Plus 1,87 Prozent auf 53,50 Euro der drittbester Wert im Dax.

Aktien der Commerzbank standen mit minus 1,64 Prozent auf 1,203 Euro am Dax-Ende. Das Geldinstitut will den milliardenschweren Kapitalbedarf weiterhin ohne neue staatliche Hilfen stemmen. Das Bundesfinanzministerium dementierte Meldungen über angebliche Gespräche mit der Commerzbank über Staatshilfen. Ein Sprecher des Ministeriums teilte am Vorabend auf dpa-Anfrage mit: "Als Teilhaber der Commerzbank steht die Bundesregierung in regelmäßigem Kontakt. Dieser geht jedoch nicht über einen Informationsaustausch hinaus." Händlern zufolge bleibt die Nervosität mit dem Blick auf die Finanzlage und das Rating aber groß.

Eon-Aktien gaben nach der Ankündigung von Wertberichtigungen und einer Konkretisierung der Unternehmensziele 0,15 Prozent ab. Der Versorger muss wegen der Schuldenkrise aber auch wegen regulatorischer Maßnahmen für das laufende Geschäftsjahr Wertberichtigungen in Höhe von rund 3 Milliarden Euro vornehmen. Die Prognose für 2011 engte Eon ein. Das bereinigte Ergebnis (adj. EBITDA) wird nun am unteren Ende der bisherigen Spanne erwartet.

Kabel Deutschland sprangen mit plus 4,74 Prozent auf 40,145 Euro an die MDax-Spitze. Nach Informationen des "Manager Magazins" darf der Kabelanbieter Unitymedia den Konkurrenten Kabel BW übernehmen. Dem Wirtschaftsmagazin zufolge gehen Branchenkenner nun davon aus, dass Liberty Global mittelfristig auch an der Übernahme des größten Kabelkonzerns Kabel Deutschland interessiert sein könnte. Ein Händler sagte: "Das bringt Fantasie in die Aktie."

Stahlwerte zeigten sich auch gefragt: Thyssenkrupp legten im Dax 1,31 Prozent zu, im MDax verteuerten sich Klöckner & Co (KlöCo) um 1,18 Prozent. Barclays äußerte sich positiv zum Stahlsektor und startete die europäischen Anbieter mit "positive". Dies begünstige eine Erholung der zuletzt gedrückten Papiere, sagte ein Händler.

Im TecDax erholten sich vor allem die Anbieter Erneuerbarer Energien: Solarworld legten als bester Wert 5,49 Prozent zu und Q-Cells gewannen ebenfalls aus dem Solarbereich 4,29 Prozent. Die Anteile des Windkraftanlagenbauers Nordex legten 3,51 Prozent zu. Weitere Abschläge von 1,24 Prozent mussten aber die Aktien des Halbleiterunternehmens Dialog hinnehmen.