Mannheim (dpa) - Erstmals seit neun Monaten zeigen die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzmarktexperten wieder leicht nach oben. Der ZEW-Konjunktur-Index stieg im Dezember überraschend um 1,4 Punkte auf minus 53,8 Zähler, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mitteilte.

«Bei den Konjunkturerwartungen scheint die Bodenbildung erreicht worden zu sein», erklärte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Die Experten rechneten anscheinend mit einer geringeren Dynamik, aber nicht mit einem Absturz der deutschen Wirtschaft im nächsten halben Jahr.

Die Trendwende kam unerwartet: Von der Nachrichtenagentur dpa-AFX befragte Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf minus 55,4 Punkte gerechnet. Laut Franz könnten auch die Beschlüsse vom jüngsten EU-Gipfel die Erwartungen positiv beeinflusst haben. Er bezeichnete sie als einen wichtigen Schritt «hin zu einem funktionierenden Ordnungsrahmen für die Währungsunion».

Die Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage für Deutschland bleibt laut ZEW auch am Jahresende positiv, ging aber zum fünften Mal in Folge zurück. Sie sank unerwartet stark um 7,4 Punkte auf 26,8 Zähler.

Dies zeigt nach Ansicht der Analysten der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), dass die Sorgen angesichts der Schuldenkrise anhielten. Entwarnung könne deshalb noch nicht gegeben werden, schreibt die Bank in einem Kurzkommentar. Die ZEW-Ergebnisse zeigten aber, dass nicht mit einer abermals erhöhten konjunkturellen Abwärtsdynamik zu rechnen sei.

Die Experten der Commerzbank sehen in der Erholung der ZEW-Konjunkturerwartungen nur eine kleine Pause in einem «intakten Abwärtstrend». Die Staatsschuldenkrise dürfte die Konjunktur noch einige Zeit belasten, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Studie. Die Volkswirte gehen weiter davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im Winterhalbjahr schrumpfen wird.

Für den Euroraum ergibt sich laut ZEW ein ähnliches Bild: Hier verbesserten sich die Konjunkturerwartungen im Dezember um 5,0 Punkte auf minus 54,1 Zähler. Die Lageeinschätzung sank dagegen um 4,3 auf minus 44,1 Zähler. Für den Indikator wurden zwischen dem 28. November und dem 12. Dezember 287 Analysten und institutionelle Anleger befragt.