New York (dpa) - Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat den Maler und Bildhauer Anselm Kiefer als einen «Meister der Erinnerung» gewürdigt.

Kiefer sei es mit zu verdanken, dass Deutschland seine Vergangenheit aufgearbeitet habe, auch den Holocaust, sagte Westerwelle bei der Verleihung der Leo-Baeck-Medaille an Kiefer in New York.

«Es gibt keinen Künstler, der diese Medaille mehr verdient hätte», sagte Westerwelle (FDP) bei einer Gala am späten Dienstag (Ortszeit) im Waldorf Astoria Hotel. Die Medaille erinnert an den von den Nazis verfolgten Rabbiner und Philosophen Leo Baeck. Sie wird seit 1978 von dem gleichnamigen Institut in New York an Persönlichkeiten verliehen, die sich in besonderer Weise um die deutsch-jüdische Aussöhnung verdient gemacht haben. «Ich war überrascht, als ich hörte, dass ich die Auszeichnung bekomme», sagte Kiefer.

Zum ersten Mal wurde bei der Gala auch der Moses Mendelssohn Sonderpreis vergeben, der an den ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger (88) ging. «Henry Kissinger hat Deutschland niemals im Stich gelassen», sagte Westerwelle. Kissinger sei «ein Garant für die transatlantische Freundschaft».

Der 66-jährige Künstler aus Donaueschingen hat sich intensiv mit dem Grauen der Nazi-Zeit auseinandergesetzt. Kiefers Arbeiten - unter anderem Selbstporträts, auf denen er mit Hitlergruß posiert - lösten teils heftige Diskussionen aus und wurden auch stark kritisiert. «Seine Kunst war nie bequem», sagte Westerwelle.

Seit 1993 lebt Kiefer in Frankreich, wo er sich mehr mit kosmologischen Fragen beschäftigte. 2008 wurde ihm als erstem bildenden Künstler der «Friedenspreis des Deutschen Buchhandels» verliehen. Im Vorjahr hatte der langjährige Leipziger Gewandhauskapellmeister Kurt Masur (84) die Medaille erhalten.