Hochfilzen (dpa) - Nach seinem energischen Schlussspurt ballte Simon Schempp die Faust, dann gratulierte er als fairer Sportsmann Sieger Tarjei Bö. Der 23-jährige Uhinger ist beim Biathlon-Weltcup in Hochfilzen als bester Deutscher auf Rang vier gesprintet.

Seinen zweiten Podestplatz in dieser Saison verpasste Schempp nur um 1,5 Sekunden. Hätte er im dichten Schneetreiben nicht eine Scheibe stehen gelassen, wäre sogar sein erster Weltcupsieg möglich gewesen. «Ich bin trotzdem sehr zufrieden. Tarjei und ich haben gleich geschossen, er war einen Tick schneller und deshalb ist er der verdiente Sieger», sagte Schempp mit einem strahlenden Lächeln.

Weltcup-Gesamtsieger Bö schoss wie Schempp eine Fahrkarte und setzte sich in der Endabrechnung vor Martin Fourcade (Frankreich/2) und dem Russen Timofey Lapschin (0) durch. Die Skijäger sind derzeit wie in der Vorwoche in Hochfilzen im Einsatz, da im französischen Annecy wegen Schneemangels nicht gestartet werden konnte.

Auf Podestkurs war auch Florian Graf. Beim letzten Schießen zeigte er jedoch Nerven - nach drei Fahrkarten und 450 Extra-Metern sprang trotz einer starken Laufform nur Platz 23 heraus, Andreas Birnbacher (3) landete auf dem 26. Rang. Sprint-Weltmeister Arnd Peiffer (2) musste sich mit Platz 46 zufriedengeben. Der mit einer Strafrunde belastete Turin-Olympiasieger Michael Greis wurde 53., Michael Rösch (3) landete auf Position 88. Die drei waren bei dichtem Schneetreiben früh gestartet und hatten dadurch Nachteile auf der Strecke.

Der Mann der Stunde bei den deutschen Männern ist Schempp. Beim Auftakt in Östersund hatte er mit Platz drei im Einzel für den bisher einzigen Podestplatz bei den Herren gesorgt. Die Vorsaison musste Schempp noch vorzeitig abbrechen, er pausierte und kam in der Vorbereitung nur langsam in Schwung. Jetzt passt es wieder - am Schießstand und in der Loipe. «Ich habe sicher im Vergleich zu den Frühstartern auch ein bisschen von den Bedingungen profitiert», resümierte Schempp, der sich eine tolle Ausgangsposition für das Verfolgungsrennen am Samstag verschaffte: «Bisher habe ich ganz gute Verfolger abgeliefert. Von daher bin ich sehr zuversichtlich.»

In läuferischer Top-Form ist auch Birnbacher, es hapert jedoch derzeit am Schießstand. «Ich ärgere mich wahnsinnig. Das ist schade, denn die Laufform passt», resümierte der Schlechinger, den zudem ein Sturz in der Schlussrunde noch ein Stück zurückwarf. Umgekehrt ist es bei Turin-Olympiasieger Greis. «Mit dem Schießen kann ich zufrieden sein, aber auf der Strecke habe ich nicht das geschafft, was ich mir vorgenommen habe. Ich merke die Wettkämpfe jetzt schon ganz schön in den Knochen», meinte der 35-Jährige.

Angeführt von Magdalena Neuner wollen die Frauen am Freitag erneut ein Wörtchen im Kampf um die Podestplätze mitreden. Die Rekord-Weltmeisterin nutzte ihren freien Tag am Anfang der Woche für einen Einkaufsbummel in Salzburg. «Mit Miriam Gössner war ich ein bisschen shoppen und es ist auch was in unseren Tüten gelandet», erzählte die 24-Jährige bestens gelaunt. Dazu hat die Doppel-Olympiasiegerin auch allen Grund: Denn Magdalena Neuner lief in ihrer letzten Saison bislang in allen fünf Rennen aufs Podest.