München (dpa) - Der Ex-Unternehmer Egon Geerkens hat den Privatkredit seiner Frau an Christian Wulff erneut gegen öffentliche Kritik verteidigt und den Bundespräsidenten in Schutz genommen. Er habe aus seiner Freundschaft zu Wulff nie einen Vorteil gezogen, sagte er der «Süddeutschen Zeitung».

Auch habe er nie einen öffentlichen Auftrag oder eine staatliche Zuwendung erhalten. Er habe Wulff während dessen Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident als Mitglied von Wirtschaftsdelegationen auf Auslandsreisen nach China, Japan und in die USA begleitet. «Ich habe alle drei Reisen selbst bezahlt, die Flüge, die Hotels, sogar die Organisationsgebühr der IHK», sagte Geerkens.

«Zu dem Zeitpunkt, als Christian Wulff den Kredit meiner Frau erhielt, war ich gar kein Unternehmer mehr», so Geerkens weiter. Denn bereits ein Jahr zuvor habe er alle geschäftlichen Aktivitäten aufgrund einer schweren Krebserkrankung eingestellt.

Die 500 000 Euro seien ein rein privates Darlehen seiner Frau Edith für einen Freund gewesen, sagte Geerkens. Er kenne den heutigen Bundespräsidenten «seit mindestens 34 Jahren» und sei bereits mit Wulffs früh verstorbenen Vater befreundet gewesen.

Geerkens nahm Wulff auch gegen den Vorwurf in Schutz, er habe den niedersächsischen Landtag nicht präzise informiert, in dem er den Kredit verschwiegen habe. «Christian Wulff hat damals völlig korrekt geantwortet», sagte der Ex-Unternehmer der «SZ».

Am Dienstag war bekanntgeworden, dass Wulff 2008 als niedersächsischer Ministerpräsident einen Privatkredit über eine halbe Million Euro von der Frau des Unternehmers erhalten hatte. Im Landtag in Hannover hatte er diesen Kredit aber nicht angegeben, als er nach geschäftlichen Beziehungen zu dem Unternehmer gefragt wurde. Das Bundespräsidialamt hatte am Dienstag Darstellungen zurückgewiesen, dass Wulff damit getäuscht hat. Mit dem Kredit hatten er und seine Frau ein Haus gekauft.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stärkte Wulff den Rücken. Das Staatsoberhaupt habe ihr «vollstes Vertrauen», sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Kanzlerin sehe keinen Grund, an den Angaben Wulffs zu zweifeln.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast sagte dagegen der «Leipziger Volkszeitung»: «Ich erwarte von der Bundeskanzlerin, dass sie Christian Wulff dazu bringt, alles offen zu legen und sich zu entschuldigen.» Das müsse jetzt passieren und nicht irgendwann, sagte Künast mit Hinweis auf die Weihnachtsansprache des Staatsoberhaupts. «Eine Ansprache zum Gabenfest, ohne dass der Bundespräsident Klarheit in eigener Sache geschaffen hat, ist für mich jedenfalls völlig unvorstellbar.»