Haifa (dpa) - Timo Hildebrand blieb nach seinem gelungenen Comeback auffällig unaufgeregt. Der 32-Jährige genoss die zahlreichen Glückwünsche für den gehaltenen Elfmeter und freute sich bei seinem geglückten Debüt für den FC Schalke 04 über das zu-Null.

Einen Grund, aus seiner soliden Leistung beim souveränen 3:0 (1:0) bei Maccabi Haifa Ansprüche auf einen Stammplatz abzuleiten, sieht der Torhüter aber nicht. «Der Trainer hat mir signalisiert, dass es wichtig ist, erstmal Spielpraxis in der zweiten Mannschaft zu sammeln», sagte Hildebrand nach seinem ersten Einsatz im königsblauen Profi-Team des Fußball-Bundesligisten.

606 Tage nach seinem letzten Bundesligaspiel für Hoffenheim im April 2010 und dem glücklosen Intermezzo bei Sporting Lissabon tat ihm die Rückkehr auf die große Fußballbühne sichtlich gut. «Schön war es», meinte Hildebrand. Dass er im sportlich bedeutungslosen letzten Gruppenspiel in der Europa League bis zur 73. Spielminute von den harmlosen Israelis überhaupt nicht gefordert wurde, spielte für den Ex-Nationalkeeper keine große Rolle.

Immerhin schlug seine große Stunde noch. Beim Stand von 1:0 für Schalke verschuldete der eingewechselte Nachwuchs-Verteidiger Alban Sabah bei einer unglücklichen Abwehraktion einen Handelfmeter. «Ich habe mich früh auf eine Ecke festgelegt. Manchmal muss man auch ein wenig Glück haben», gestand Hildebrand, der durch seine Parade den möglichen Ausgleich durch Maccabi-Stürmer Yaniv Katan verhinderte. «Man sollten den gehaltenen Elfmeter nicht überbewerten», sagte Hildebrand. «Mal hält man einen, mal nicht.»

Sportvorstand Horst Heldt sieht sich im Nachhinein mit der Verpflichtung des lange verletzten Hildebrand bestätigt. Als sich Stammkeeper Ralf Fährmann einen Kreuzbandriss zugezogen hatte, erinnerte sich Heldt an den Profi aus gemeinsamen Stuttgarter Zeiten und befreite ihn im Oktober aus der Arbeitslosigkeit. «Seine Leistung bestätigt, dass wir richtig gelegen haben mit seiner Verpflichtung. Der Auftritt in Haifa wird Timo Selbstvertrauen geben», betonte Heldt. Mit den fünf Einsätzen in der Schalker U 23 habe man Hildebrand «nicht ärgern» wollen. «Wir wollen ihn wieder heranführen. Das Konzept ist aufgegangen.» Das sieht auch der Torwart so: «Ich bin ruhiggeblieben und habe auf meine Chance gewartet.»

Weil Lars Unnerstall sich als zuverlässiger Fährmann-Vertreter bewährte, gab es keinen Grund, Hildebrand zu früh ins kalte Bundesliga-Wasser zu werfen. Und so wird es zunächst auch bleiben. Der nicht nach Haifa gereiste Unnerstall wird zum Hinrunden-Abschluss im Heimspiel gegen Werder Bremen ebenso zurückkehren wie die anderen geschonten Stars um Raúl und Klaas-Jan Huntelaar. Auch Cheftrainer Huub Stevens, der in Israel von seinem Assistenten Seppo Eichkorn vertreten wurde, dürfte trotz der Erkrankung seiner Mutter wieder auf der Bank sitzen.

Der ordentliche Auftritt der zweiten Garde gegen den schwachen israelischen Meister zeigte, dass auch der zweite Schalker Anzug passt. Neben Hildebrand, Alexander Baumjohann und Julian Draxler überzeugte vor allem Ciprian Marica, der das Eigentor von Jurica Buljat (7.) mit seiner Flanke provozierte und das 2:0 (84.) selbst erzielte. Beim Schlusspfiff standen in Sabah (19 Jahre), Alexander Langlitz (20) und dem gleichaltrigen 3:0-Torschützen Andreas Wiegel (90.+2) gar drei Regionalliga-«Nobodys» auf dem Rasen. «Für eine Truppe, die nicht eingespielt war, war das schon gut», sagte Held.