Yokohama (dpa) - Ein Fehltritt, ein Knacken - Schienbeinbruch. Torjäger David Villa droht nach seiner schweren Verletzung bei der Club-WM in Japan das EM-Aus.

Der spanische Nationalstürmer brach sich beim lockeren 4:0 (2:0)-Halbfinalsieg des FC Barcelona gegen Al-Sadd FC aus Katar in Yokohama ohne direkte gegnerische Einwirkung das linke Schienbein. «Wir alle sind sehr traurig und fühlen mit ihm. Das ist ein schwerer Schlag für ihn und Barcelona», sagte Barcas konsternierter Coach Pep Guardiola nach der schockierenden Nachricht, die den Einzug der Katalanen ins Finale gegen den FC Santos zur Nebensache degradierte. «Er wird wegen der Art des Bruchs sehr lange ausfallen.» Guardiola teilte weiter mit, Villa sei bereits mit einem Riss im Knochen zur Club-WM gefahren.

Villas Teamkollegen Lionel Messi und Andrés Iniesta schlichen nach der traurigen Nachricht betrübt vom Platz. Freude über den Sieg kam bei keinem aus Barcelonas Star-Ensemble auf. «Wir sind alle sehr geknickt», konstatierte Keeper Victor Valdés. «Lieber hätten wir das Spiel verloren und David wäre unverletzt geblieben.» Sportdirektor Andoni Zubizarreta pflichtete bei: «Wir alle hätten lieber die Partie abgegeben und Villa gesund behalten.» Guardiola berichtete mit belegter Stimme: «Alle Spieler sorgen sich um David. Wir hoffen, er kann möglichst bald zurückkehren. Unsere Gedanken sind bei ihm und wir wollen den Club-Weltcup ohne ihn gewinnen.»

Allerdings ist fraglich, ob das 30 Jahre alte Stürmer-Schlitzohr in dieser Saison nochmals auflaufen kann. Derzeit fehlen detaillierte medizinische Angaben. Hoffnung auf eine schnelle Genesung machte ein Sportarzt aus Madrid: «Es hängt von der Art der Verletzung ab. Unter Umständen kann Villa bereits in zweieinhalb Monaten wieder trainieren.»

Aber im schlimmsten Fall ist sogar der Einsatz des Torschützenkönigs der EURO 2008 bei der EURO 2012 fraglich. Da Fernando Torres in der selección seit langem seiner Top-Form hinterherläuft, wäre ein Ausfall Villas auch für Nationaltrainer Vicente del Bosque ein herber Rückschlag.

Villa steht beim spanischen Meister und Champions-League-Gewinner zwar im Schatten von Super-Star Messi und musste zuletzt häufiger die Bank drücken, aber in der Nationalmannschaft war er gesetzt. Mit 50 Treffern in 81 Länderspielen ist «el guaje» (der Junge) Spaniens Rekordhalter. Spanische Medien spekulieren indes seit längerem, dass der vom FC Valencia für 45 Millionen Euro geholte Villa Barcelona bald verlassen könnte.

Guardiola erklärte, Villa werde in Begleitung eines Physiotherapeuten schnellstmöglich zur Operation nach Barcelona zurückgeflogen. Der Profi war zunächst in einem Krankenhaus in Yokohama untersucht und medizinisch versorgt worden.

Adriano hatte für die ohne einige Stars antretenden Katalanen zwei Treffer gegen das Team aus Katar erzielt (25./43. Minute), Seydou Keita (64.) und Maxwell (81.) sorgten für ein standesgemäßes Ergebnis des FC Barcelona gegen den krassen Außenseiter.