Berlin (dpa) - Der S-Bahn-Verkehr in Berlin ist wegen eines Stromausfalls in weiten Teilen zum Erliegen gekommen. Bis auf den Osten war fast das ganze Stadtgebiet von den Störungen betroffen, sagte ein Sprecher der Bahn. Viele S-Bahnen standen seit 11.45 Uhr still, Fahrgäste waren eingeschlossen.

Nach Angaben der Bahn gab es einen Stromausfall an einem Stellwerk. Die Ursache war unklar. Hinweise auf einen Anschlag habe die Bahn derzeit nicht, sagte ein Sprecher. Betroffen war auch der Regional- und Fernverkehr im Westen der Hauptstadt. Der Verkehr werde umgeleitet.

Wie lange die Störung noch anhalte, sei offen. Am Bahnhof Friedrichstraße standen viele Fahrgäste wartend auf den Bahnsteigen. Chaos herrschte aber nicht. An den Bus-Stationen war es etwas voller als sonst, die U-Bahnen rollten weiter.

Ein Fahrgast am Potsdamer Platz berichtete, seine Bahn sei nach einer Stunde im Tunnel weiter gefahren. «Wir sind regelmäßig informiert worden», sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Mal sei in den Durchsagen von einem Stromausfall, mal von einem Softwarefehler die Rede gewesen. «Man ist ja von der Bahn einiges gewöhnt.»

Im Osten Berlins fuhren die S-Bahnen der Linien S3, S5, S7 und S75. Sie endeten aber vorläufig an den Bahnhöfen Ostkreuz oder Warschauer Straße, wie ein Sprecher am frühen Nachmittag mitteilte.

Der Strom für den Fahrbetrieb der Züge scheine überall zu funktionieren, die Informationen dazu seien aber noch bruchstückhaft. Deshalb müsste es den Lokführern in der Regel auch möglich sein, die Fahrgäste am nächsten Bahnhof aussteigen zu lassen.

Im Stellwerk Halensee befindet sich die Betriebszentrale der S-Bahn, in der alle elektronischen S-Bahn-Stellwerke der Metropole gebündelt werden. Sie steuern den größten Teil des Verkehrs. Es gibt aber auch noch einige alte mechanische Stellwerke, vor allem in Außenbezirken. In Halensee sollen derzeit Bauarbeiten laufen.

Auch der Regional- und Fernverkehr auf der Berliner Stadtbahn-Trasse war gestört. Den Zusammenhang zu dem Stellwerksproblem der S-Bahn konnte der Sprecher zunächst nicht erklären. Das S-Bahn fährt auf einem eigenen Schienennetz, getrennt vom übrigen Bahnverkehr.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) stockten ihre Wagenzahl auf, um den Ausfall der S-Bahn aufzufangen. U-Bahnen und Trams würden verlängert und zusätzliche Busse auf die Straßen gebracht, sagte Sprecherin Petra Reetz. Üblicherweise falle das Angebot am Mittag 15 bis 20 Prozent geringer aus. Die BVG werde außerdem Personal an Bahnhöfe schicken, wo die U-Bahn die S-Bahn kreuzt. Sie sollen gestrandete Fahrgäste umleiten.

Die S-Bahn-Kunden in Berlin sind Kummer gewöhnt. Seit Sommer 2009 sind wegen Mängeln an den Fahrzeugen und im Winter Teile der Flotte nicht einsatzbereit gewesen. Noch heute ist der Wagenpark noch nicht wieder komplett.