Sinsheim (dpa) - Markus Babbel hat in seinem wohl letzten Bundesliga-Spiel als Trainer von Hertha BSC einen Teilerfolg errungen, ist aber nur noch auf Abruf bei den Berlinern beschäftigt. Der Aufsteiger kam bei 1899 Hoffenheim zu einem 1:1 (0:1) und ist damit seit sechs Begegnungen sieglos.

Sejad Salihovic (21. Minute) traf vor 25 550 Zuschauern in der Rhein-Neckar-Arena für die Gastgeber, Roman Hubnik glich in der Nachspielzeit (90.+1) aus. Nach der Partie eskalierte der Streit zwischen Babbel und Manager Michael Preetz.

Am Rande des letzten Hinrundenspiels bezichtigten sich die Verantwortlichen gegenseitig der Lüge. Babbel selbst gab am Samstag erstmals bekannt, seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Er habe sich schon Anfang November «aus Gründen, die ich nicht näher bringen will, entschieden, mich zu verändern», sagte er im Pay-TV-Sender Sky.

Nur zwei Stunden zuvor hatte Preetz betont, mit Babbel nie ein derartiges Gespräch geführt zu haben. «Da hat er vielleicht nicht richtig zugehört», bemerkte der Noch-Coach. Laut Preetz hat Babbel ihn erst am Dienstag über dessen Entscheidung informiert und wollte von einer Absage im November nichts wissen: «Wenn es um so zentrale Sachen geht, sind meine Ohren auf Empfang geschaltet.»

Ein Verbleib des gebürtigen Bayern bei Hertha in der Rückrunde ist damit quasi nicht mehr möglich. Auch wenn Preetz sämtliche Meldungen um einen bereits feststehenden Abschied Babbels im Januar und die Verpflichtung des Ex-Frankfurters Michael Skibbe (derzeit Eskisehirspor/Türkei) als Nachfolger ins Reich der Spekulationen verwies, scheint eine Zusammenarbeit mit Babbel kaum noch länger möglich. Er könne nur sagen, so Preetz, «dass wir uns nicht nur für den einen Fall vorbereitet haben».

Das offene Zerwürfnis machte Herthas Präsident Werner Gegenbauer deutlich, der Babbel klar widersprach: «Die Geschichte, die er heute erzählt hat, entspricht nicht dem, was Michael Preetz Stein und Bein schwört.» Kurz darauf warf der Hertha-Chef seinen Coach sogar offen Lügen vor. «Jetzt sollte man nicht mit Baron-Münchhausen-Geschichten kommen», sagte Gegenbauer.

Vor dem Pokalspiel am Mittwoch gegen den 1. FC Kaiserslautern, wo Babbel noch auf der Bank sitzen soll, machten die Hertha-Profis nicht den Eindruck, als lasse sie die Hängepartie um ihren Coach unbeeindruckt. Zu allem Übel verlor Raffael in der 31. Minute die Nerven: Er schlug Salihovic in die Magengrube und sah Rot. Auf der Gegenseite flog Isaac Vorsah nach Notbremse an Ramos vom Platz (63.).

Die Gäste waren von Anfang an vehement unter Druck geraten, und die vierte Chance für Hoffenheim nutzte dann Salihovic: Aus 23 Metern traf der frühere Berliner genau in den Torwinkel.

Der Platzverweis schien bei den Berlinern einen Hallo-Wach-Effekt zu haben. Fortan spielten sie mehr mit: Tunay Torun umkurvte in der 55. Minute die halbe 1899-Abwehr und schoss knapp am Tor vorbei. Mit der Hereinnahme von Knowledge Musona und Boris Vukcevic versuchte Trainer Holger Stanislawski wieder mehr Leben in seine Mannschaft zu bringen. Doch die Hausherren mussten erst einmal einen Rückschlag hinnehmen, als sich Vorsah gegen den anstürmenden Ramos nur mit einem Foul zu helfen wusste und vom Feld flog.

Wie schon zuletzt gegen den 1. FC Kaiserslautern und den SC Freiburg mussten sich die Hoffenheimer trotz Führung mit einem 1:1 begnügen, da Hubnik den Ball in der Nachspielzeit der schwachen Partie ins Netz lenkte. «Der Grund ist, dass wir einfach zu dämlich sind», meinte der völlig bediente Stanislawski zum späten Gegentor. «Bis zum 1:0 haben wir das gespielt, was wir uns vorgenommen haben. Mit dem 1:0 haben wir angefangen darum zu betteln, das Gegentor zu bekommen.»