Tokio (dpa) - FIFA-Präsident Joseph Blatter hat den Stand der Vorbereitungen für die Fußball-WM 2014 kritisiert und das Turnier in Brasilien zur Chefsache erklärt.

«Das Exekutivkomitee ist besorgt», sagte der Präsident des Fußball-Weltverbandes in Tokio nach einer zweitägigen Sitzung des FIFA-Vorstandes. «Ich werde mich der Angelegenheit persönlich annehmen und im ersten oder zweiten Monat des Jahres nach Brasilien reisen und die Staatspräsidentin (Dilma Rousseff) treffen», kündigte Blatter an. In einer offiziellen Pressemitteilung bezeichnete die FIFA die Lage in Brasilien trotz positiver Meldungen zum Stadionbau als «komplex».

Dies gelte vor allem für das WM-Gesetz («General FIFA World Cup Bill»), das die erforderlichen Regierungsgarantien hinsichtlich der Organisation des Wettbewerbs beinhaltet, aber offensichtlich noch nicht in Kraft gesetzt wurde. «Natürlich machen wir uns Sorgen, dass wir noch keine Bestätigung zum WM-Gesetz haben», sagte Blatter. FIFA-Generalsekretär Jérome Valcke betonte erneut, dass «man spät dran sei und jetzt keinen Tag mehr verlieren» dürfe.

Zudem hofft die FIFA auf eine Öffnung der brisanten Gerichtsakten in der ISL-Affäre Anfang 2012. «Das Verwaltungsgericht in Zug hat der Veröffentlichung noch nicht stattgegeben. Wir hoffen, dass Anfang nächsten Jahres dieses Gericht in Zug endlich Grünes Licht geben wird, damit wir diese Akten veröffentlichen können», sagte Blatter.

Das 2001 in Konkurs gegangene Schweizer Marketing-Unternehmen ISMM/ISL soll über Jahre FIFA-Funktionäre bestochen haben. 2008 vor Gericht dokumentiert wurden 138 Millionen Schweizer Franken, die zwischen 1989 und 2001 gezahlt wurden. Eine der beteiligten Parteien hatte Einspruch eingelegt gegen die Öffnung der Akten. Zahlreiche hochrangige Funktionäre, darunter auch Mitglieder der FIFA-Exekutive, sollen in den Bestechungsskandal verwickelt sein.

Blatter bekräftigte in Tokio erneut den «starken Willen unsererseits, diese Akte so schnell wie möglich offenzulegen und damit endlich die Vergangenheit abzuschließen». Die neu gegründete Kommission für Governance, die sich eine verantwortungsvolle und transparente Verbandsführung für die korruptionsgeplagten FIFA zum Ziel gesetzt hat, solle «auf die Zukunft konzentriert sein und nicht die Vergangenheit aufarbeiten», sagte Blatter und forderte: «Deswegen sind wir nun gefragt, hier endlich einen Schlussstrich zu ziehen.»

Ein vorzeitiges Ende seiner bis 2015 währenden Amtszeit schloss der 75 Jahre alte Schweizer aus. «Ich habe immer noch die Energie, nach vorne zu blicken und weiterzumachen bis zum Ende dieses neuen Mandates», sagte Blatter, der am 1. Juni wiedergewählt worden war.