München (dpa) - Mit Feuerwerk und Lasershow wurde nach dem 17. Herbstmeistertitel des FC Bayern Münchenin der Arena gefeiert, in den Stadionkatakomben schwärmte ein glückseliger Präsident von einer fantastischen Hinrunde.

«Für uns alle, die da oben sitzen, ist es Lebensqualität, wenn du die Tabelle von oben anschauen kannst. Wenn du immer Zweiter, Dritter, Vierter mit zehn Punkten Abstand bist, das macht dich krank, dann hast du keine schönen Wochenenden, keine Frage», sagte Uli Hoeneß nach dem 3:0 (0:0) gegen den 1. FC Köln. «Mit so einem Weihnachtsergebnis gewinnt man für eineinhalb Monate Lebensqualität. Wenn man uns was schenken will, dann solche Situationen.»

Fix waren die Spieler, deren Weihnachtsbotschaften nach dem Schlusspfiff über die Videoleinwände flimmerten, in die dicken Jacken geschlüpft, um das Jahreabschluss-Lichtspiel nach einer äußerst einseitigen Begegnung zu verfolgen. «Spaß hat es keinen gemacht. So brutal hab' ich es noch nie erlebt», sagte Mario Gomez zur Kölner Mauertaktik, die so wirkte, als hätten die Geißböcke nie vorgehabt, ein Tor zu schießen. «Unser großes Glück war, dass sie einmal Fußball spielen wollten von hinten raus und das ging in die Hose.» Gomez (48. Minute) nutzte das nach Zuspiel von Thomas Müller. David Alaba (63.) und der herausragende Toni Kroos (88.) machten dann den Erfolg in Unterzahl perfekt.

Angesichts des ungefährdeten Ergebnisses gab es kaum Tadel für Franck Ribéry, dessen Gelb-Rote Karte (33.) zunächst einmal die Planungen der Münchner durchkreuzte. «Er muss sich disziplinieren», sagte Trainer Jupp Heynckes, «das sollte eine Lehre sein für Franck.» Der Platzverweis war nicht das einzige Ärgernis des Tages für den Mittelfeldstar. Ein Bezirksgericht in Luxemburg entschied am Freitag in erster Instanz, dass er seinem früheren Berater rund drei Millionen Euro an nicht entrichteten Provisionen nachzahlen muss.

Präsidenten-Schelte an der Unbeherrschtheit des Franzosen, der binnen weniger Sekunden Gelb und Gelb-Rot wegen Unsportlichkeit sah, blieb aus. «Franck hat uns so viel Freude gemacht in diesem halben Jahr. Den muss man jetzt in den Arm nehmen und sagen: Haste Mist gebaut. Aber wir sind ja in der Weihnachtszeit. Friede, Freude, Eierkuchen. Da muss man auch mal vergessen können.» Zur perfekten Bilanz fehlt noch ein Sieg im DFB-Pokal-Achtelfinale am Dienstag beim VfL Bochum.

Als Hoeneß seinen tröstenden Arm anbot, war der passend zum Platzverweis von Kopf bis Fuß in rot gekleidete Ribéry schon aus der Arena geschlendert. Er hatte längst eingesehen, dass er «Fehler» gemacht hatte. «Die Mannschaft hat fantastisch reagiert. Sie hat einen sehr guten Charakter und kann dadurch auch mal den Ausfall eines extrem wichtigen Spielers kompensieren», lobte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und freute sich über eine sehr guten Münchner Hinrunde. An deren Ende steht zum 17. Mal der Herbstmeistertitel - und nach 14 von 16 Hinrundensiegen gab es am Saisonende auch die Meisterschale. Gemessen daran sind die Münchner zu 87,5 Prozent Meister.

«Das Fell des Bären muss am Ende des Tages auch erlegt werden», sagte Rummenigge. Das gilt auch für das Champions-League-Achtelfinale gegen den am Freitag zugelosten FC Basel, der in der Außenwirkung als leichtes Los gesehen wird. Auch Heynckes warnte vor dem Schweizer Meister, der immerhin eindrucksvoll Manchester United aus dem Wettbewerb geworfen hatte. Für seine Chefs ist es aber keine Frage, dass der 66-Jährige sein Team auch auf die Königsklassen-Aufgabe im kommenden Jahr bestens vorbereitet.

«Der Trainer ist immer der Hauptverantwortliche für Ruhe in der Mannschaft, für Harmonie, für taktisch kluges Verhalten. Ich bin der Meinung, er hat den allergrößten Anteil an dieser Entwicklung», betonte Hoeneß und scherzte zum Abschluss auf die Frage nach einem extragroßen Weihnachtsgeschenk für den Coach. «Er bekommt ein Bussi von mir.»