Hamburg (dpa) - Mit einer überragenden Leistung hat der Augsburger Torhüter Mohamed Amsif dem Hamburger SV den Sieg geraubt. 25 Torschüsse und ein Dutzend hochkarätiger Chancen reichten den Hanseaten im Fußball-Bundesligaspiel gegen den biederen Aufsteiger FC Augsburg nicht.

«Das ist ein bitteres Resultat. Wir wollten gewinnen. Wir sind traurig, dass wir uns nicht mit dem richtigen Ergebnis von den Fans verabschieden konnten», sagte Torschütze Paolo Guerrero nach dem 1:1 (0:0). Eigentlich wollten sich die Gastgeber mit 21 Punkten in die Winterpause verabschieden, doch zehn Tage vor Heiligabend schenkten sie den Gästen trotz drückender Überlegenheit einen Punkt. Die Hamburger verbleiben mit 19 Zählern vorerst auf dem 13. Platz, doch die Mannschaft des ungeschlagenen Trainers Thorsten Fink könnte am Sonntag noch einen Platz nach unten rutschen, wenn Mainz in Mönchengladbach punktet. «Meine Mannschaft war sehr spielfreudig. Wir haben die Chancen leider nicht genutzt», meinte der enttäuschte Fink.

Torsten Oehrl hatte die Schwaben vor 48 143 Zuschauern mit einem 15-Meter-Schuss in Führung (63.) gebracht, Guerrero glich drei Minuten später aus und vergab wenige Sekunden vor Spielende eine weitere seiner Riesenchancen. Augsburgs Torhüter parierte fast alles. Ivo Ilicevic (7.), Mladen Petric (15., 54.) Guerrero (29., 52. 66., 90.+1) und Gojko Kacar (43.) fanden ihren Meister im Gästeschlussmann. Als der Simon-Jentzsch-Stellvertreter schon geschlagen war, retteten Marcel de Jong und Gibril Sankoh binnen weniger Sekunden zweimal auf der Linie.

Die Vorahnung Finks, die Augsburger würden sich ganz aufs Zerstören verlegen, traf allerdings nicht zu. «Wir hatten noch eine 100-prozentige. Dann hätten wir das Spiel komplett auf den Kopf gestellt», sagte Augsburgs Trainer Jos Luhukay. Der Aufsteiger traute sich zwar nur selten über die Mittellinie, sorgte bei den wenigen Gegenstößen zumindest aber für Verwirrung in der HSV-Hintermannschaft - ganz zur Freude von Luhukay, den die Zerstörer-Vorwürfe gegen sein Team auf die Palme gebracht hatten. Deshalb war es eine Genugtuung für ihn, als aus dem Nichts das Führungstor der Gäste fiel. Oehrl traf zwischen den HSV-Verteidigern Jeffrey Bruma und Heiko Westermann hindurch am chancenlosen Torhüter Jaroslav Drobny vorbei ins Tor.

Bei den fortan energischeren Hamburgern ging ein Ruck durch die Mannschaft. Guerrero schaffte umgehend den Ausgleich, doch Finks Entscheidung, mit Marcus Berg und Son Heung Min auf totale Offensive zu setzen, ging nicht auf. Berg musste nach wenigen Minuten wieder vom Platz, weil er sich bei einem artistischen Fallrückzieher auf die Schulter krachte und sich verletzte. Sein Einsatz dauerte lediglich zehn Minuten. Der Schwede wurde mit Verdacht auf Schlüsselbeinbruch ins Krankenhaus gebracht. «Das ist ja unglaublich. Wahrscheinlich muss er noch operiert werden», stöhnte Fink.

Trotz des Remis baute der HSV-Trainer seine Serie aus: Seit er die Mannschaft vor zwei Monaten übernommen hat, musste der einstige Tabellenletzte keine Niederlage mehr hinnehmen. Bislang stehen zwei Siege und sechs Unentschieden für ihn zu Buche.