Tokio (dpa) - Die FIFA hat erneut den Stand der Vorbereitungen für die WM 2014 in Brasilien scharf kritisiert. Bei der Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit hofft der korruptionsgeplagte Fußball-Weltverband auf eine Öffnung der brisanten Gerichtsakten in der ISL-Affäre Anfang 2012.

Zudem gab FIFA-Präsident Joseph Blatter nach einer zweitägigen Sitzung des FIFA-Vorstandes in Tokio die ersten Mitglieder der neuen Governance Kommission bekannt.

«Das Verwaltungsgericht in Zug hat der Veröffentlichung noch nicht stattgegeben. Wir hoffen, dass Anfang nächsten Jahres dieses Gericht in Zug endlich Grünes Licht geben wird, damit wir diese Akten veröffentlichen können», sagte Blatter in Tokio.

Das 2001 in Konkurs gegangene Schweizer Marketing-Unternehmen ISMM/ISL soll über Jahre FIFA-Funktionäre bestochen haben. 2008 vor Gericht dokumentiert wurden 138 Millionen Schweizer Franken, die zwischen 1989 und 2001 gezahlt wurden. Eine der beteiligten Parteien hatte zuletzt Einspruch gegen die Öffnung der Akten eingelegt. Zahlreiche hochrangige Funktionäre, darunter auch Mitglieder der FIFA-Exekutive, sollen in den Bestechungsskandal verwickelt sein.

Über die WM 2014 äußerte sich Blatter «besorgt» und kündigte einen Besuch in Brasilien im Januar oder Februar 2012 an. «Ich werde mich der Angelegenheit persönlich annehmen», betonte er. In einer offiziellen Pressemitteilung bezeichnete die FIFA die Lage in Brasilien trotz positiver Meldungen zum Stadionbau als «komplex». Dies gelte vor allem für das WM-Gesetz («General FIFA World Cup Bill»), das die erforderlichen Regierungsgarantien hinsichtlich der Organisation des Wettbewerbs beinhaltet, aber offensichtlich noch nicht in Kraft gesetzt wurde. «Natürlich machen wir uns Sorgen, dass wir noch keine Bestätigung zum WM-Gesetz haben», sagte Blatter.

Ein vorzeitiges Ende seiner bis 2015 währenden Amtszeit schloss der 75 Jahre alte Schweizer aus. «Ich habe immer noch die Energie, nach vorne zu blicken und weiterzumachen bis zum Ende dieses neuen Mandates», sagte Blatter, der am 1. Juni wiedergewählt worden war.

Auf die Frage, ob er auf das Jahr 2011, in dem die FIFA nach zahlreichen Korruptionsfällen in die schlimmste Krise ihrer Geschichte geschlittert war, mit Bedauern zurückblicke, antwortete Blatter: «Die Vergangenheit ist vorbei, wir müssen nach vorne blicken. Die Zukunft besteht darin, die Glaubwürdigkeit der FIFA zurückzubringen. Bedauern ja, aber man kann nicht leben mit einem Bedauern. Wir sind sehr positiv.»

Neben dem Vorsitzenden Mark Pieth stehen bislang neun Namen auf der Liste für das neue Gremium, das sich eine verantwortungsvolle und transparente Verbandsführung für die korruptionsgeplagte FIFA zum Ziel gesetzt hat. Darunter sind der amerikanische Fußballverbands-Präsident Sunil Gulati oder IOC-Mitglied Lydia Nsekera sowie Wirtschaftsvertreter, die nicht aus dem Fußball kommen.