Leverkusen (dpa) - Der Schlusspfiff ging in den Pfiffen der Fans fast unter. Laut und deutlich machte der Anhang von Bayer Leverkusen seinem Ärger Luft. Nach dem 0:3 (0:2) gegen den 1. FC Nürnberg war die Geduld mit der eigenen Mannschaft vollends aufgebraucht.

Ähnlich verärgert wie die Zuschauer reagierte Rudi Völler auf die bereits dritte Heimschlappe der noch vor Saisonbeginn hochgehandelten Mannschaft. «Mit diesem Team stimmt irgendetwas nicht, das ist nicht normal. So dürfen wir uns nicht präsentieren», klagte der Leverkusener Sportchef.

Die desolate Vorstellung, mit der sich die Profis von Trainer Robin Dutt in die Winterpause verabschiedeten, hinterließ in der Chefetage Ratlosigkeit. Treffer von Daniel Didavi (8.), Jens Hegeler (22.) und Tomas Pekhart (73.) verdarben die Vorfreude auf das Duell mit dem spanischen Renommierclub FC Barcelona, der am Freitag als kommender Gegner für die Champions League zugelost worden war. Völler kündigte für die Wochen nach der Winterpause eine härtere Gangart an: «Das einzige positive ist, dass man nach solch einem Spiel Dinge zur Sprache bringt, die ansonsten unter den Teppich gekehrt worden wären.»

Dass Trainer Dutt einer der Leidtragenden sein könnte, schloss Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser trotz der enttäuschenden Hinrunde allerdings aus. «Die Pläne sehen vor, dass dieser Trainer das Trainingslager leitet. Und es gibt keinen Grund, diese Pläne zu ändern.»

Ohne Mumm und Spielwitz brachten sich die Leverkusener um die Chance, den Abstand zu den ersten vier Tabellenplätzen zu verringern, und wurden erneut Opfer ihrer Heimschwäche. Dagegen boten die Nürnberger nur eine Woche nach dem schwachen Spiel gegen Hoffenheim eine starke Leistung und rutschten zumindest für einen Tag aus der Abstiegszone. «Durch diesen Sieg sind wir wieder am Leben. Und das hatten uns einige schon abgesprochen», sagte Trainer Dieter Hecking.

Schon nach 22 Minuten lagen die Franken mit 2:0 vorn. Mit großer Effizienz machten sie sich den lethargischen Auftakt der Gastgeber zunutze. Christian Eigler setzte Didavi mit einem langen Pass prächtig in Szene, und der Mittelfeldspieler traf mit einem platzierten Schuss aus zwölf Metern ins lange Eck. Auch die zweite Chance wurde eiskalt genutzt: Eine von Marvin Plattenhardt auf den Elfmeterpunkt geschlagene Ecke verwertete Hegeler mit einem Volleyschuss zur überraschenden 2:0-Führung.

Der Rückstand hinterließ beim Gegner mächtig Wirkung. Nur bei einem Schuss von Eren Derdiyok (33.), den Torhüter Raphael Schäfer ebenso stark parierte wie den anschließenden Kopfball von Ballack, war Torgefahr erkennbar. Erst kurz vor der Pause erhöhte Bayer die Taktzahl, verpasste aber bei einem Schuss von Andre Schürrle (43.) aus 16 Metern den möglichen Anschlusstreffer.

Auf die schwache Vorstellung seines Teams reagierte Bayer-Coach Dutt mit zwei Wechseln zur Halbzeit. Dennoch blieben alle Angriffsbemühungen gegen die glänzend organisierte Nürnberger Abwehr weiter ohne Wirkung. Ein Kopfballtreffer von Pekhart nach Ecke von Plattenhardt besiegelte die deutliche Heimschlappe. Der starke Nürnberger Torhüter Schäfer war voll des Lobes über seine Mitstreiter: «Das war eine überragende Mannschaftsleistung. Heute waren elf Krieger auf dem Platz.»

Spieldaten:

Ballbesitz in %: 73,2 - 26,8

Torschüsse: 13 - 11

gew. Zweikämpfe in %: 45,3 - 54,7

Fouls: 17 - 16

Ecken: 6 - 3

Quelle: optasports.com