Kairo (dpa) - Bei den schwersten Ausschreitungen seit Wochen sind in Kairo in der Nacht zum Samstag acht Menschen getötet worden. Das Gesundheitsministerium meldete, etwa 300 Menschen seien verletzt worden. Demonstranten setzten nach Angaben der Sicherheitskräfte zwei Gebäude in Brand.

Die Militärpolizei räumte zwei Lager der Protestbewegung am Tahrir-Platz und vor dem Kabinettsgebäude mit Gewalt. Sie nahm zahlreiche Demonstranten fest und verlegte anschließend Stacheldraht.

Die Militärs gaben den Demonstranten die Schuld an der neuen Eskalation. Die Protestierenden, die seit drei Wochen vor dem Kabinett campierten, hätten einen Offizier der Militärpolizei verschleppt. Aktivisten erklärten dagegen, sie seien zuerst attackiert worden.

Der in Kairo gerade erst ins Parlament gewählte Jungrevolutionär Mustafa al-Naggar sagte der Nachrichtenwebsite «Al-Youm7», die Militärpolizei habe vor dem Büro seiner Al-Adl-Partei in einem Viertel nahe dem Tahrir-Platz willkürlich acht Parteimitglieder festgenommen.

Der ägyptische Journalist und Demokratie-Aktivist Hani Schukralla erklärte via Twitter: «Der Oberste Militärrat ertränkt Ägyptens Revolution im Blut. Es zeichnet sich eine Allianz der Konterrevolutionäre ab: Militär, Polizei, Islamisten und die Überbleibsel des Regimes von Husni Mubarak.»

Die Proteste richten sich gegen den Militärrat, der nach dem Sturz Mubaraks im Februar die Macht übernommen hatte. Die Demonstranten vor dem Kabinettsgebäude hatten zudem verhindern wollen, dass die vom Militärrat eingesetzte Übergangsregierung von Ministerpräsident Kamal al-Gansuri dort ihre Arbeit aufnimmt.