Kairo (dpa) - Erneut schwere Ausschreitungen in Kairo: Mindestens drei Menschen sterben, 255 werden verletzt, als Sicherheitskräfte am Freitag ein Protestcamp vor einem Regierungsgebäude im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt auflösen.

Die Protestierenden werfen Steine und Brandsätze, Armee- und Polizeieinheiten setzten Schusswaffen und Tränengas ein.

Das Gesundheitsministerium berichtete von Schusswunden, Knochenbrüchen und Prellungen. Der Vorsitzende des Militärrates, Feldmarschall Hussein Tantawi, habe angeordnet, dass alle Verletzten in Armeehospitälern behandelt werden. Ministerpräsident Kamal al-Gansuri äußerte sich zunächst nicht zu den Ausschreitungen.

Hunderte Demonstranten waren den schon seit Wochen vor dem Kabinettsgebäude Protestierenden am Freitag zu Hilfe geeilt, als diese sich mit der Militärpolizei Straßenkämpfe lieferten. Nach Angaben der Aktivisten hatten «von der Armee geschickte Schläger» sie zuvor mit Steinen attackiert.

Aus Sicherheitskreisen hieß es dagegen, die Ausschreitungen hätten begonnen, nachdem Regierungsbeamte, die wegen des Dauerprotests seit Wochen nicht zu ihren Büros gelangen könnten, die Demonstranten mit Gegenständen beworfen hätten.

Nach Berichten staatlicher Medien steckten Demonstranten das Gebäude der Behörde für Straßen und Brücken in Brand, das in der Nähe des Parlaments liegt. Unweit des Tahrir-Platzes, wo einst Geschichte geschrieben wurde, herrschte Chaos: Steine flogen, Barrikaden brannten, schwarzer Rauch stieg auf.

Die etwa 150 Mann starke Protestgruppe vor dem Kabinettsgebäude, zu der junge «Revolutionsaktivisten» und eine Gruppe von Fußballfans gehören, will verhindern, dass die vom Militärrat eingesetzte Übergangsregierung von Ministerpräsident Kamal al-Gansuri dort ihre Arbeit aufnimmt. Al-Gansuri hat inzwischen ein Büro im Gebäude der staatlichen Planungsbehörde bezogen.

Der Oberste Militärrat hatte im vergangenen Februar nach dem Sturz von Präsident Husni Mubarak die Macht übernommen. In Ägypten wird in diesen Wochen ein neues Parlament gewählt, in dem wahrscheinlich die Muslimbruderschaft die größte Fraktion stellen wird. Die ersten Ergebnisse der zweiten Runde wurden am Freitag veröffentlicht.

Wie schon im ersten Wahlgang, so lagen auch diesmal die Muslimbrüder mit Abstand auf Platz eins, gefolgt von der radikal-islamischen Partei des Lichts. Ein weiterer Wahlgang in den restlichen Provinzen und zwei Stichwahlen stehen noch aus.

Am 13. Januar soll das endgültige Ergebnis des Votums veröffentlicht werden. Im vergangenen Monat waren bei Zusammenstößen von Demonstranten und der Polizei in Kairo mehr als 40 Menschen ums Leben gekommen.