Berlin/Offenbach (dpa) - Orkan und Schnee haben in Deutschland zum vierten Adventswochenende den Winter eingeläutet. Sturmtief «Joachim» entwurzelte an vielen Straßen Bäume und sorgte so für kleinere Unfälle.

In der Nacht zum Samstag ließ der Wind nach. Größere Schäden meldeten weder die Polizei noch die Feuerwehren. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach hatte für Teile des Landes Unwetterwarnungen ausgegeben, hob diese aber zum Morgen wieder auf.

Vor allem im Süden ließ der Sturm am Freitag mit Stärke 12 die Muskeln spielen. Bayern, Thüringen und Teile Sachsen-Anhalts erlebten ein Schneechaos.

Am Abend zog «Joachim» weiter Richtung Nordosten. Sein Zentrum lag zunächst nördlich von Berlin, wie der Deutsche Wetterdienst berichtete. Die stärkste Böe habe es am frühen Freitagabend auf dem Feldberg im Schwarzwald gegeben, sagte Olaf Pelsleusden vom DWD. Die Geschwindigkeit habe 155 Stundenkilometer betragen.

Schnee gab es vor allem im südlichen Odenwald. Auch in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz oberhalb von 300 bis 350 Metern habe es geschneit, meinte Pelsleusden. Im Erzgebirge habe es in der Nacht Schneeverwehungen gegeben.

Bei Neuschnee und glatten Straßen waren am Freitag die Staus im Sauer- und Siegerland bis zu 20 Kilometer lang. Auch in Thüringen häuften sich nach heftigem Schneefall Verkehrsprobleme. Bei Dutzenden Unfällen wurden mehrere Menschen wurden schwer verletzt. In der Südwestpfalz und in Baden-Württemberg stoppten umgestürzte Bäume den Bahnverkehr zeitweise. In Frankfurt am Main bremste «Joachim» den Flugverkehr. An anderen Airports fielen Flüge aus. Vielen Schülern bescherte der Orkan dagegen «Sturmfrei».

Auch im Ausland tobte sich «Joachim» aus. Im Westen Frankreichs fiel nach Regierungsangaben in rund 400 000 Haushalten der Strom aus. In dem Sturm strandete vor der Südküste der Bretagne der unter Malta-Flagge fahrende Frachter «TK Bremen». Die Behörden lösten Umweltalarm aus, da Öl auslief. Die Tanks sollten ausgepumpt werden. Der Frachter sei abgesehen von 220 Tonnen Treibstoff weitgehend leer.

In Großbritannien kehrte am Freitag ebenfalls der Winter ein, einige Flüge fielen aus. Im schottischen Glasgow wurden sechs Zentimeter Schnee gemessen, in Nordirland vier Zentimeter. Auch im Südosten der Region um London schneite es bei Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Starke Schneefälle haben zu einem Verkehrschaos auf vielen Straßen in Belgien geführt. Besonders in den Ardennen waren Autos und Lastwagen blockiert, berichtete der Rundfunksender RTBF am Freitagabend. Wegen der Niederschläge in den vergangenen Tagen traten Flüsse über ihre Ufer. Helfer waren an vielen Orten im Einsatz, um Überschwemmungen zu verhindern.

DWD-Warnungen