London/Bristol (dpa) - Ein sicheres Rezept für einen Charthit finden - das wäre für Musiker so etwas wie der Stein der Weisen. Wovon die Industrie seit Jahrzehnten träumt, dem haben Forscher der Universität Bristol sich jetzt genähert: Sie haben ein Programm entwickelt, das voraussagen kann, ob ein Song Chancen auf einen der ersten Plätze in den britischen Charts hat.

Mit 60-prozentiger Wahrscheinlichkeit liegen sie dabei richtig, heißt es in der Studie.

Die Wissenschaftler nahmen sich die britischen Charts der vergangenen 40 Jahre vor und untersuchten dabei Songs auf den Top-Plätzen sowie weniger erfolgreiche auf den Plätzen 30 bis 40. Sie wurden nach Merkmalen wie Tempo, Rhythmus, Dauer, Zeitablauf, Lautstärke oder harmonische Komplexität verglichen und gewichtet. Dafür wurden lernende Algorithmen verwendet.

Heraus kam eine «Gleichung für einen potenziellen Hit», hieß es. Nicht nur liege man bei 60 Prozent der Songs richtig, auch habe man Trends in der Musikgeschichte der vergangenen Jahrzehnte ablesen können. «Musikgeschmäcker verändern sich, deshalb muss sich unsere Hit-Potenzial-Gleichung auch entwickeln», erklärte Studienleiter Tijl De Bie. «Wir haben herausgefunden, dass das Hit-Potenzial eines Liedes von der Epoche abhängt. Das könnte an den sich ändernden, dominanten Musikstilen, der Kultur oder der Umwelt liegen.»

So fanden die Forscher heraus, dass vor den 1980er Jahren die Tanzbarkeit eines Liedes nur eine geringe Rolle spielte. Von da an wurden tanzbare Stücke eher ein Hit. In den 1980er Jahren war es wahrscheinlicher, mit einer langsamen Ballade einen Erfolg zu landen. Bis in die frühen 1990er Jahren waren Charterfolge meist harmonisch einfacher gestaltet als andere Stücke der Zeit.

In manchen Zeitspannen war es für die Forscher schwieriger, den Erfolg eines Stückes vorherzusagen als in anderen. Besonders gering war die Trefferquote rund um 1980. Die größten Schätzerfolge verbuchten sie für die erste Hälfte der 1990er Jahre und die Zeit vom Jahr 2000 an. Daraus lässt sich den Wissenschaftlern zufolge schließen, dass die späten 1970er und frühen 1980er Jahre eine besonders kreative und innovative Zeit für die Popmusik waren.