Düsseldorf (dpa) - Die Commerzbank wird ihre milliardenschwere Kapitallücke nach Einschätzung des Bankenexperten Martin Faust nicht ohne neuerliche Staatshilfe schließen können. «Ohne staatliche Hilfen wird es wahrscheinlich nicht gehen».

Das sagte der Professor der Frankfurt School of Finance & Management der «Wirtschaftswoche». Private Investoren seien zur Zeit kaum bereit, Banken neues Eigenkapital zur Verfügung zu stellen.

Die Commerzbank muss nach den Ergebnissen der jüngsten europaweiten Stresstestes der Bankenaufsicht EBA bis Mitte des nächsten Jahres eine Kapitallücke von 5,3 Milliarden Euro schließen. Bis zum 20. Januar müssen die Commerzbank und andere betroffene Institute der Finanzaufsicht Bafin erläutern, wie sie das bewerkstelligen wollen.

Commerzbank-Chef Martin Blessing hat mehrfach betont, sein Haus wolle keine neuerliche Staatshilfe in Anspruch nehmen - was nach dem Regierungsbeschluss zur Wiederbelebung des Bankenrettungsfonds Soffin möglich wäre. Blessing hatte angekündigt, Bilanzrisiken um 30 Milliarden Euro herunterzufahren. Dadurch verringere sich der Bedarf an zusätzlichem Eigenkapital um bis zu rund 2,7 Milliarden Euro.

Ein wenig voran gekommen war die - seit der Finanzkrise - teilverstaatlichte Bank in der vorigen Woche mit dem erfolgreichen Rückkauf von Anleihen. Die Transaktion wirke sich einmalig positiv in Höhe von mehr als 700 Millionen Euro auf das Ergebnis aus und führe zu einer entsprechenden Erhöhung des Eigenkapitals. Zudem erwägt die Commerzbank, die seit der Finanzkrise zu gut einem Viertel in staatlicher Hand ist, Randgeschäfte zu verkaufen. Welche das sind, ist offen.

Als «eleganteste und gesichtswahrendste Lösung» gilt Experten eine Auslagerung der Krisentochter Eurohypo in eine staatliche «Bad Bank». Von der Eurohypo muss sich die Bank ohnehin auf EU-Geheiß bis 2014 trennen. Doch sie gilt als unverkäuflich. Der Immobilienfinanzierer hat einen Großteil der Staatsanleihen aus den Euro-Krisenstaaten in seinen Büchern, die die Commerzbank so schwer belasten.