Tokio (dpa) - Der Fußball-Weltverband schaut mal wieder mit Sorge auf WM-Gastgeber Brasilien und FIFA-Chef Joseph Blatter schlüpft flugs in seine Lieblingsrolle als Nothelfer.

Die Bauarbeiten an den zwölf Spielorten für 2014 laufen auf Hochtouren. Auch an prominenter Unterstützung mangelt es nicht. Ronaldo und WM-Botschafter Pelé stehen an vorderster Front. Doch die FIFA moniert die schleppende Debatte über das WM-Rahmengesetz. Fragen wie der Alkoholkonsum in den Stadien, ermäßigte Tickets, Markenschutz und Haftungsgarantien werden damit geregelt. Das Gesetz wird heiß diskutiert, aber wohl frühestens 2012 verabschiedet.

Grund genug für Blatter eine rasche Inspektionsreise anzukündigen. «Ich werde mich der Angelegenheit persönlich annehmen und im ersten oder zweiten Monat des Jahres nach Brasilien reisen und die Staatspräsidentin (Dilma Rousseff) treffen», kündigte der FIFA-Präsident an. Ob er dann auch den unter Druck stehenden Chef des WM-Komitees, Ricardo Teixeira, antrifft, ist fraglich. Der skandalumwitterte Funktionär nimmt den kompletten Januar eine ungewöhnliche Auszeit. «Mister Teixeira hat bis Ende Januar um Urlaub gebeten. Damit ist er bis 30. Januar außerhalb der FIFA und des Organisationskomitees», teilte Blatter mit.

«Das Exekutivkomitee ist besorgt», brachte Blatter in Tokio die Stimmung auf den Punkt. Um den Sorgen auf den Grund zu gehen, setzt er sich lieber selbst ins Flugzeug. Trotz positiver Meldungen zum Stadionbau sei die Lage «komplex», hieß es bei der FIFA. Schon vor der WM 2010 in Südafrika hatte Blatter mit den gleichen Mechanismen die lokalen Organisatoren erfolgreich unter Druck gesetzt - und sich dann als WM-Held feiern lassen.

Das WM-Rahmengesetz («Lei Geral da Copa») soll nächste Woche in einer Sonderkommission des Abgeordnetenhauses verabschiedet werden, muss aber dann noch ins Plenum. Vermutlich kommt die Parlamentspause bis Februar dazwischen. Dann muss der Entwurf noch im Senat entschieden werden. Sollte der Änderungen beschließen, geht der Text zurück ins Abgeordnetenhaus und erst danach zur Unterschrift an Präsidentin Rousseff. Alles soll seine Ordnung haben, aber eigentlich sollte das Gesetzgebungsverfahren schon 2011 abgeschlossen sein.

Doch stolperte zwischenzeitlich Brasiliens Sportminister Orlando Silva über Korruptionsvorwürfe und ein neuer Ressortchef (Aldo Rebelo) musste gefunden und installiert werden. FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke betonte erneut, dass man spät dran sei und jetzt keinen Tag mehr verlieren dürfe.

Umso merkwürdiger erscheint in diesem Licht der Teixera-Urlaub. Der 64-Jährige, seit 1989 Präsident des Brasilianischen Fußballverbandes (CBF), steht seit Jahren wegen Korruptionsvorwürfen in der Kritik. Er und auch sein Ex-Schwiegervater, der frühere FIFA-Präsident João Havelange, sollen laut BBC im Zuge des Korruptionsskandals um die 2001 in Insolvenz gegangenen Sportvermarktungsagentur ISL Millionen-Zahlungen erhalten haben. Beide wiesen bisher die Vorwürfe zurück. Blatter hat Aufklärung versprochen.

Einer der heftigsten Kritiker Teixeiras, der frühere Fußballstar und heutige Bundesabgeordnete Romário, äußerte sich unterdessen ungewöhnlich versöhnlich über die Arbeit des WM-Komitees. Das lag aber weniger an Teixeira, sondern am dreifachen Weltfußballer Ronaldo, der kürzlich in den Verwaltungsrat des Komitees berufen wurde. Ronaldo werde eine aktive und wichtige Rolle spielen, sagte Romário, Weltmeister von 1994. «Jetzt hat der brasilianische Fußball und die WM ein Gesicht.... Man wird jetzt anders auf Brasilien schauen.»

Brasilianischer Fußballverband CBF