Berlin (dpa) - Mit einer unwürdigen Schlammschlacht geht die kurze Ära von Markus Babbel bei Hertha BSC zu Ende - sein Rausschmiss scheint nur noch eine Frage der Zeit.

Die Vereinsführung bezichtigt den Aufstiegs-Trainer der Lüge. Der Coach kündigt an, nicht mehr mit Manager Michael Preetz reden zu wollen. Und die Mannschaft ist genervt von dem seit Wochen tobenden Tohuwabohu um den Trainer. Ob Babbel am kommenden Mittwoch noch einmal auf der Hertha-Bank beim DFB-Pokalheimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern sitzen wird, ist kaum vorstellbar.

Der Streit eskalierte nach dem 1:1 (0:1) bei 1899 Hoffenheim. Im Pay-TV-Sender Sky machte Babbel erstmals öffentlich, dass er seinen Vertrag beim Hauptstadtclub nicht verlängern will. Dies hat er nach eigener Aussage vor über einem Monat dem Verein mitgeteilt. «Die Geschichte, die er heute erzählt hat, entspricht nicht dem, was Michael Preetz Stein und Bein schwört», widersprach aber prompt Hertha-Präsident Werner Gegenbauer: «Jetzt sollte man nicht mit Baron-Münchhausen-Geschichten kommen.»

Das sei «ein bisschen enttäuschend, dass ich jetzt als Münchhausen hingestellt werde», entgegnete Babbel am Sonntag am Rande des Trainings in Berlin den Lügenbezichtigungen. Der 39 Jahre alte Ex-Profi und ehemalige Nationalspieler verwies auf ein Gespräch, das er noch am Freitagabend mit Gegenbauer geführt habe. «Ich schätze den Präsidenten unglaublich», es sei aber bedauerlich, dass Gegenbauer offensichtlich benutzt werde, meinte Babbel.

Wochenlang schwiegen sich beide Seiten über die Zukunft des seit dem 1. Juli 2010 bei der «alten Dame» tätigen Trainers aus. Babbel sagte nichts, Preetz sagte nichts, der ganze Verein sagte nichts. Als Frist wurde der Rückrundenstart am 21. Januar auserkoren. Doch verdichteten sich die Anzeichen für einen Weggang des Bayern aus Berlin in den vergangenen Tagen. Medienberichten zufolge soll schon vom 1. Januar an Michael Skibbe sein Comeback in der Bundesliga geben. Derzeit ist der ehemalige DFB-Coach noch beim türkischen Erstligisten Eskisehirspor engagiert.

«Ich habe mich immer daran gehalten, was mir vorgegeben wurde. Es geht darum, dass ich rechtzeitig Bescheid gegeben habe, und das war Anfang November in der Länderspielpause», erklärte Babbel nach dem Remis gegen Hoffenheim. Aus Gründen, «die ich nicht näher bringen will», habe er sich entschieden, sich zu verändern. Nur zwei Stunden zuvor hatte Preetz betont, mit Babbel nie ein derartiges Gespräch geführt zu haben. «Da hat er vielleicht nicht richtig zugehört», bemerkte der Noch-Coach. Der Manager wiederum erklärte, er sei erst am Dienstag in Kenntnis gesetzt worden, und schloss aus, im November etwas überhört zu haben: «Wenn es um so zentrale Sachen geht, sind meine Ohren auf Empfang geschaltet.»

Das peinliche Hin und Her lässt auch die seit nunmehr sechs Spielen sieglose Mannschaft nicht kalt, die vor 25 550 Zuschauern in der Rhein-Neckar-Arena durch Roman Hubnik in der 91. Minute noch einen Punkt rettete. «Ich finde das ein bisschen schade. Die Geschichte belastet logischerweise auch die Mannschaft, die kriegt das auch mit», kommentierte Christian Lell die Diskussionen um Babbel: «Unmittelbar vor so einem wichtigen Spiel ist das auch in den Köpfen.»

Der Verteidiger forderte die Verantwortlichen auf, sich nach dem Achtelfinale im DFB-Pokal zusammenzusetzen und eine Lösung zu finden. Dass Babbel aber gegen die «Roten Teufel» noch einmal die Herthaner betreuen wird, erscheint angesichts der tiefen Zerwürfnisse fast undenkbar. «Das ist schwer zu beantworten. Ich hoffe es natürlich», antwortete Babbel auf die Frage, ob der am Mittwoch noch Trainer der Berliner sei.