Lissabon/Mindelo (dpa) - Cesária Évora, einer der größten Stars der Weltmusik, ist tot. Die Sängerin aus dem afrikanischen Inselstaat Kap Verde starb am Samstag in einem Krankenhaus ihrer Heimatstadt Mindelo im Alter von 70 Jahren.

Évora sei einer «akuten, schweren Herz- und Atem-Schwäche» erlegen, sagte der Klinikdirektor auf der Insel São Vicente der portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa. Évora sei zuletzt abwechselnd bei Verstand und bewusstlos gewesen.

Musiker Peter Maffay, der mit Évora gearbeitet hat, sagte der Nachrichtenagentur dpa in Berlin, er habe die Sängerin sehr bewundert. «Das war eine großartige Dame mit einer wunderschönen Musik, die sie machte.» Für die musikalische Welt sei ihr Tod «ein absoluter Verlust». Brasiliens Ex-Kulturminister, der Musiker Gilberto Gil, schrieb auf Twitter: «Sie war eine der besten Sängerinnen überhaupt, eine süße Frau. Wie traurig!»

In Portugal, der ehemaligen Kolonialmacht Kap Verdes, gab es am Samstag vor Spielen der Fußball-Liga Trauerminuten, es wurden Évora-Lieder gesungen, auf den Rängen flossen Tränen. Die portugiesische Zeitung «Público» titelte am Sonntag: «Frau Musik ist tot.» «Stimmen wie diese gibt es kein zweites Mal», meinte der französische Sänger Bernard Lavilliers, der mit Évora im Duo sang. Die Kapverderin habe das Niveau von Nina Simone, Bessie Smith und Ella Fitzgerald gehabt.

Während die Regierung in Kap Verde eine zweitägige Staatstrauer ausrief, pilgerten am Wochenende Hunderte von Menschen zum Haus Évoras in Mindelo. «Mit Césaria ist auch ein Stück unseres Landes gestorben», meinte unterdessen der kapverdische Kulturminister Mario Lucio. Die Zeitung «A Semana» schrieb, sogra die sonst allgegenwärtige Sonne habe sich am Wochenende aus Trauer hinter die Wolken zurückgezogen.

Die «barfüßige Diva», wie Évora genannt wurde, weil sie zur Ehre der Armen ihrer afrikanischen Heimat immer ohne Schuhe auftrat, hatte erst vor knapp drei Monaten aus gesundheitlichen Gründen das Ende ihrer Karriere verkündet. Mehrere Konzerte ihrer damals noch laufenden Welttournee wurden zur Enttäuschung der Fans abgesagt. «Sie ist sehr traurig, sie wollte die Bühnen nicht verlassen, aber sie folgt dem Rat ihrer Ärzte», sagte seinerzeit ihr Manager José Da Silva.

Die Frau, die in den Kneipen und Hotels in Mindelo jahrelang für eine Handvoll Münzen sang, bevor sie erst mit 51 Jahren zum Star wurde, hatte 2008 während einer Tournee in Australien einen Schlaganfall erlitten. Die Grammy-Gewinnerin von 2004 war dann im Mai vergangenen Jahres in Frankreich am Herzen operiert worden. In den vergangenen Jahren hatte sie die Zahl ihrer Konzerte bereits deutlich reduziert.

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