Courchevel (dpa) - Lange wurde Maria Höfl-Riesch zwischen erstem und zweitem Durchgang am lädierten Knie behandelt - im Finale war dann nach rund 30 Sekunden alles vorbei. Die Gesamtweltcupsiegerin, als Dritte in den zweiten Slalom-Lauf gegangen, rutschte in Führung liegend weg.

Neben der Enttäuschung über das Verpassen des greifbaren zweiten Podestplatzes des Winters gab es nach dem Aus auch Sorge um die Gesundheit. Beim Fahren habe sie das Knie nicht groß behindert, sagte eine traurige Höfl-Riesch zwar nach dem Rennen und befürchtete zunächst nichts Schlimmeres. Schnellstens aber machte sich die Skirennfahrerin aus Partenkirchen, die im ersten Durchgang im oberen Streckenabschnitt einen Schlag erwischt hatte, dennoch auf zu einer Kernspintomographie.

Enttäuscht fuhr Höfl-Riesch nach dem 31. Weltcup-Sieg von Marlies Schild aus Österreich vor der Finnin Tanja Poutiainen und Kathrin Zettel (Österreich) in Courchevel den Hang hinunter und feuerte ihre Stöcke in den Schnee. Dagegen strahlte Lena Dürr. Mit Laufbestzeit war die 20-Jährige von Rang 25 im Finale auf den achten Platz vorgefahren. Bislang war Rang 21 ihr bestes Torlauf-Ergebnis gewesen. «Ich habe wirklich einen guten Lauf gehabt. Ich wollte zeigen, dass ich bei guter Piste auch schnell sein kann», sagte die Europacup-Gesamtsiegerin der Saison 2009/2010. «Das war super», lobte Damen-Cheftrainer Thomas Stauffer.

Insgesamt war nach dem Aus von Topfahrerin Höfl-Riesch das Abschneiden aber dürftig. Lena Dürrs Schwester Katharina wurde 15., Nina Perner kam auf Rang 21., Christina Geiger schied im Finale aus. Wenige Meter vor dem Ziel fuhr sie auf Kurs Bestzeit am Tor vorbei. «Sie war wie Maria dabei. Aber wir haben zu viele Ausfälle», meinte Coach Stauffer. Veronika Staber (37.) und Barbara Wirth (41.) waren zu langsam für das Finale. Fanny Chmelar schied im ersten Durchgang aus. Alle durften sich mit der Gewissheit trösten, dass am Dienstag in Flachau/Österreich bei einem Nachtslalom die Chance zur Wiedergutmachung besteht.

Wie es Höfl-Riesch geht, war zunächst nicht bekannt. Sie habe sich am «Außenband oder Knorpel» verletzt mutmaßte ihr Manager und Ehemann zwischen den beiden Durchgängen, sie wolle es mit Schmerzmitteln versuchen. Dazu twitterte der 38-Jährige ein Bild, wo Deutschlands beste Alpine auf einem Bierzelttisch liegend behandelt wurde. Wie so oft kämpfte sich Höfl-Riesch durch, wurde aber nicht belohnt. «Das Knie hat schon weh getan», sagte Stauffer. Es sei schwierig zu sagen, ob es etwas Schlimmeres sei. Dennoch sei er guter Dinge, dass es keine schwerwiegendere Verletzung sei.

In der Gesamtwertung liegt die am Sonntag ebenfalls ausgeschiedene Amerikanerin Lindsey Vonn mit 522 Punkten vorne. Auf Rang zwei ist Viktoria Rebensburg (286 Zähler) platziert, die das Wetter um den geplanten Riesenslalom in Frankreich brachte. Denn wegen anderthalb Metern Neuschnee seit Wochenbeginn wurde der Zeitplan durcheinandergewirbelt und es fand nur der Slalom statt.

Für Höfl-Riesch ist das Gesamtklassement derzeit kein Thema. «Mit dem Thema Gesamtweltcup habe ich mich zu dieser Zeit auch in den Jahren vorher noch nie beschäftigt. Das wurde doch eher durch einige Medien an mich herangetragen, die im Dezember immer schon wissen wollten, ob ich es schaffe», sagte die 27-Jährige in der «Welt am Sonntag». «Momentan ist der Gesamtweltcup in weiter Ferne. Ich versuche einfach, meine Form zu finden. Und derzeit ist Lindsey Vonn eh so stark, dass sich niemand außer ihr mit diesem Thema auseinandersetzen muss. Es wird schwer, sie zu schlagen.»