Köln (SID) - Die deutsche Dopingvergangenheit beschäftigt noch immer die Sportmediziner der Universitäten und sorgt derzeit für Streit unter den Ärzten. Nach einem Bericht des Deutschlandfunks stellt sich Heinz Liesen, Mannschaftsarzt der Fußball-Weltmeister von 1990, gegen eine Erklärung des Wissenschaftsrates der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP). Die DGSP hatte sich in einer Stellungnahme von den Dopingpraktiken der 70er und 80er Jahre distanziert.

Jürgen Steinacker, einer der 42 Unterzeichner der DGSP-Erklärung, forderte Liesen auf, Konsequenzen zu ziehen: "Mit dieser Position hat er keinen Platz mehr in der organsierten Sportärzteschaft. Ich glaube, er sollte schleunigst zurücktreten." Ansonsten würden die Kollegen fordern, "dass er ausgeschlossen wird", kündigte Steinacker an.

Liesen hält die Erklärung seiner Kollegen für "ziemlich überflüssig und ziemlich verlogen". Er vertritt den Standpunkt, dass niedrige Dosen Testosteron zur Regeneration eingesetzt werden müssen. "Ich habe immer offen dargelegt, dass man damit in bestimmten Phasen die Jungs gesund halten kann", sagte Liesen.

Unterstützung erhält Liesen von seinem früheren DFB-Kollegen Wilfried Kindermann, mittlerweile Mitglied im Aufsichtsrat der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA). Kindermann folgt Studien, die nachgewiesen hätten, dass Testosteron "keinen Effekt" auf Ausdauerleistung und Regenerationsfähigkeit von Athleten habe.

Anlass für die Erklärung der DGSP waren Erkenntnisse von Historikern der Berliner Humboldt-Universität zur deutschen Dopingvergangenheit. Sie hatten im September Zwischenberichte ihrer Arbeit vorgestellt, die belegen, wie renommierte Sportmediziner mehrerer Universitäten noch in den 80er Jahren im Rahmen staatlich finanzierter Studien Kaderathleten gedopt haben.