Kairo (dpa) - Demonstranten und Angehörige der Sicherheitskräfte sind am Sonntag rund um den Tahrir-Platz in Kairo wieder mit Steinen aufeinander losgegangen.

Das Gesundheitsministerium meldete, seit Beginn der Auseinandersetzungen am Freitag seien 10 Menschen getötet und knapp 550 verletzt worden.

Nach Angaben lokaler Medien sperrte die Militärpolizei eine Straße zum zentralen Tahrir-Platz mit Betonblöcken. Dadurch sollte offenbar verhindert werden, dass die Protestierenden zum Kabinettsgebäude zurückkehren, das sie in den vergangenen drei Wochen belagert hatten. Ein Gruppierung, die sich «Bewegung der schweigenden Mehrheit» nennt, rief alle Seiten zu Ruhe und Selbstbeherrschung auf.

Linke Gruppen kritisierten unterdessen die Muslimbruderschaft. Bei den Massenprotesten gegen Präsident Husni Mubarak Anfang des Jahres habe sie noch zusammen mit ihnen demonstriert. Nun aber, da sich abzeichne, dass sie im nächsten Parlament die größte Fraktion stellen werde, schrecke sie vor weiteren Konfrontationen mit der Staatsmacht zurück.

Der Protest der Demonstranten richtet sich gegen die Militärherrschaft und gegen die vom Militär eingesetzte Übergangsregierung von Ministerpräsident Kamal al-Gansuri. Der Oberste Militärrat hatte im Februar nach dem Sturz von Mubarak die Macht übernommen.

Am 28. November hatten Parlamentswahlen begonnen, die in den 27 Provinzen an insgesamt zwölf Tagen stattfinden. In neun Provinzen ist für den kommenden Mittwoch und Donnerstag eine Stichwahl geplant. Das Endergebnis der Wahl soll am 13. Januar vorliegen.